Klare Kante: Die Rechnung geht nicht auf

Nils R. Kawig kritisiert die Bahnmanager von Abellio.

Nils Kawig.

Nils Kawig.

Foto: Andreas Wetzel

Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich: Abellio braucht mehr Geld. Das Tochterunternehmen der niederländischen Staatsbahn hat bei den zuständigen Behörden in Erfurt und Magdeburg um einen finanziellen Nachschlag gebeten. Es fordert Millionen, um die gestiegenen Personalkosten bezahlen zu können. Angeblich seien die Tarifabschlüsse und der Mehrbedarf an Fahrpersonal nicht absehbar gewesen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Abellio in Mitteldeutschland mit einer riskanten Preispolitik Marktanteile verschafft hat. Jede Ausschreibung, die es gegen die Deutsche Bahn oder andere Verkehrsunternehmen gewann, warf immer dieselbe Frage auf: Wie ist das denen gelungen?

Dazu muss man wissen, dass der Personennahverkehr in Deutschland nicht ohne staatliche Gelder auskommt. Der Bund stellt sogenannte Regionalisierungsmittel zur Verfügung, die über die Länder verteilt werden. Um in einem gewissen Gebiet Personennahverkehr anbieten zu dürfen, müssen die Eisenbahnunternehmen Ausschreibungen gewinnen. Diese Verfahren sind hochkomplex und streng geheim; am Ende gibt es häufig eine Überraschung.

Als Abellio sich anschickte, in Mitteldeutschland immer mehr Streckennetze zu übernehmen, wurde öffentlich, wie schwer es dem Unternehmen fiel, Personal zu akquirieren. Lokführer und Zugbegleiter sind heiß begehrt – und offenbar so schwer zu finden, dass ein Großteil der Abellio-Führungsriege verantwortlich gemacht und ausgetauscht wurde. Die Rechnung ist offenbar nicht aufgegangen.

Jetzt mehr Geld vom Staat zu verlangen, löst das Problem nicht, sondern weckt Begehrlichkeiten. Bekommt Abellio zusätzliche Millionen vom Land, werden auch die anderen Eisenbahnunternehmen einen Nachschlag verlangen. Zu Recht, wie ich finde.

Abellio fordert mehr Geld vom Land

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