Kommentar: Risiko eines Rückschlags

Sibylle Göbel zur Nagelprobe für die neue Thüringer Awo-Spitze.

Sibylle Göbel

Sibylle Göbel

Foto: Peter Michaelis / TLZ

Das Kräftemessen mit dem Kreisverband Saale-Holzland wird für die drei neuen stellvertretenden Landesvorsitzenden der Thüringer Arbeiterwohlfahrt zur Nagelprobe: Setzen sie sich mit ihren Forderungen durch, beweisen sie Stärke. Tun sie es nicht, wäre das der Beleg dafür, dass die Landesspitze machtlos ist und sich auf der Nase herumtanzen lässt.

Das aber würde nicht nur ihrem Ansehen massiv schaden, auch der Neubeginn bei der Thüringer Awo erlitte einen schweren Rückschlag. Denn wie will der Verband dann noch glaubhaft machen, dass die Zeiten, da so mancher Manager dieses Wohlfahrtsverbandes in erster Linie an die eigene Wohlfahrt dachte, vorbei sind? Wie beweisen, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat und einzelne Führungskräfte nicht länger wie kleine Könige nach dem Motto „Die Awo, das bin ich!“ agieren lässt?

Die neuen Landesvize müssen jetzt liefern. Aber sie brauchen dafür dringend mehr Unterstützung und vor allem auch die Legitimation der Delegiertenversammlung. Wenn die eigentlich für Samstag geplante Konferenz wegen Corona nicht stattfinden kann, dann muss zumindest die geplante Neuwahl des Vorstandes so schnell wie möglich rechtssicher durchgeführt werden. Das lässt sich auch unter Pandemiebedingungen hinkriegen.

Denn es darf nicht sein, dass das Virus jenen Kräften in die Karten spielt, die den bisherigen Mangel an Kontrolle zu ihren Gunsten genutzt haben und am liebsten so weitermachen wollen wie bisher.

Wie weit sich so mancher bei der Awo schon von den Werten und Grundsätzen des Verbandes entfernt hat, das zeigen nicht nur die Rechtfertigungsversuche aus dem Kreisverband Saale-Holzland aus den vergangenen Wochen. Das zeigt auch die Ankündigung, das für alle Gliederungen verbindliche (!) Awo-Regelwerk notfalls juristisch abklopfen lassen zu wollen.

s.goebel@tlz.de