Leitartikel: Armutszeugnis

Elmar Otto: Warum sich die Schere weiter öffnet.

Elmar Otto

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Foto: MGT

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Gerne wird das Bild von der Schere bemüht, die nicht weiter auseinandergehen darf. Vor allem bei Unterschieden zwischen Arm und Reich, Ost und West.

Die Studie des Forschungsinstituts der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung zeigt, dass besagte Schere sich aber sehr wohl weiter geöffnet hat. Allen Beteuerungen der politisch Verantwortlichen zum Trotz.

Die Gründe, die die Wissenschaftler anführen, sind vielfältig: Zum einen erhalten besser qualifizierte Beschäftigte mit sicheren, nicht selten Tarif gebundenen Verträgen, lukrativere Gehaltserhöhungen als jene, die mit sehr niedrigen Einkommen.

Wer Geld übrig hat, kann das Ersparte zudem oft in Anlagen oder Aktien investieren. Wenn nicht gerade eine Finanzkrise hereinbricht, wird damit das Vermögen weiter vermehrt.

Auch durch die Senkung der Einkommensteuer Ende der 1990-er Jahre und die Reform der Erbschaftsteuer haben Geringverdiener am wenigsten profitiert. Im Osten Deutschlands mit seit Jahrzehnten geringeren Löhnen und weniger Geld auf der hohen Kante werden diese Effekte verstärkt.

Wer daran wirklich etwas ändern will, wird nicht umhinkommen, unter anderem die Hartz-IV-Sätze zu ­erhöhen und besonders hohe Gehälter stärker zu besteuern. Doch ob dafür eine gesamtdeutsche Mehrheit organisiert werden kann, scheint mehr als fraglich.

Fest steht aber: Das Bild der Schere ist abgedroschen. Und die aktuelle Entwicklung muss als das bezeichnet werden, was sie ist: ein Armutszeugnis.

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