Leitartikel: Befristung nicht nötig

Norbert Block über Berufsanfänger, die sonst Alternativen suchen.

Norbert Block. Foto: Peter Michaelis

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Es vergeht kaum ein Tag, an dem Unternehmen und vor allem Wirtschaftsverbände im Freistaat nicht vor einem Mangel an Fachkräften warnen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Betriebe, die nicht mehr ausbilden. Die einen, weil sie keine jungen Menschen für ihren Berufsstand gewinnen können, die anderen aus Bequemlichkeit. Das könnte ein Bumerang werden.

Und nach der Ausbildung? Jeder Fünfte, der eine Stelle in Thüringen erhält, muss mit einer Befristung und meist mit weniger Geld als anderswo auskommen. Die meisten Berufseinsteiger machen zunächst mit. Schließlich ist es immer noch besser, nach einer Ausbildung sofort - wenn auch befristet - übernommen zu werden oder in einem neuen Betrieb zu starten, als arbeitssuchend zu sein. Doch mit der oftmals gar nicht nötigen Befristung machen sich die Unternehmen das Leben selbst schwer. Denn wer meist nur für ein Jahr seinen Job sicher hat, der macht sich meist frühzeitig auf die Suche nach einer Alternative; nach etwas Festem. Junge Leute schauen weit über den Tellerrand des Freistaates hinaus. Wenn sie erst einmal ein Angebot aus Bayern, Baden-Württemberg oder anderswo erhalten haben, wo sie einen unbefristeten und meist besser bezahlen Job bekommen können, sind sie fort.

Unternehmen müssen sich fragen lassen, warum sie bei Berufseinsteigern überhaupt auf eine Befristung über die Probezeit hinaus setzen. Natürlich will man erst schauen, ob der neue Mitarbeiter geeignet ist oder nicht. Dies ist aber auch bei unbefristeten Verträgen möglich. Manchmal, so scheint es, fehlt es Unternehmen an Mut und Vertrauen in ihre Mitarbeiter.

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