Leitartikel: Der Keller ist keine Lösung

Sibylle Göbel zum Dauer-Problem der Ferienbetreuung.

Foto: Peter Michaelis, Sibylle Göbel

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Foto: Peter Michaelis / TLZ

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Es ist alle Jahre wieder eine Rechnung, die einfach nicht aufgehen kann: Schulkinder haben etwa 72 Tage Ferien im Jahr – und berufstätige Eltern im Schnitt nur 30 freie Tage. Vorausgesetzt, ihr Chef meint es gut mit ihnen. Denn laut Bundesurlaubsgesetz beträgt der Mindesturlaub bei einer Fünf-Tage-Woche 24 Werktage.

Doch ganz gleich, wie viele Tage es sind: Allein mit ihrem Urlaub können Eltern unmöglich die Ferienbetreuung abdecken. Selbst jene Familien, in denen die Eltern abwechselnd Ferien machen, damit immer einer beim Kind ist, klafft am Ende eine Lücke, die gefüllt werden muss. „Und, Nein“, schreibt eine Mutter, die ein Internet-Tagebuch führt, „der heimische Keller ist noch immer keine Option.“

Wohin also mit den lieben Kleinen, die eben nicht mal schnell für ein paar Stunden vor dem Arbeitsplatz ihrer Eltern im OP, dem Supermarkt oder an der Baustelle geparkt werden können?

Diese Frage stellt sich mit jedem Schuljahr aufs Neue, jetzt aber mit besonderer Dringlichkeit. Denn viele Eltern haben ihren Jahresurlaub (fast) schon aufgebraucht, um die Kinder während der Kita- und Schulschließungen versorgen zu können. Ohne dass in dieser Zeit für sie an Erholung zu denken war. Deshalb wäre es ein Unding gewesen, wenn das Land in den Ferien kein Betreuungsangebot an Grundschulen gemacht hätte.

Von der Kleinigkeit, selbst mit Maximalstundenzahl einen vollen Arbeitstag mit Hin- und Rückweg abzudecken, wollen wir an dieser Stelle einmal absehen. Nicht aber davon, dass Fünft- und Sechstklässler weiter in der Luft hängen, sofern nicht Großeltern einspringen oder ein Platz im Feriencamp zu ergattern ist. Corona zeigt wie unter einem Brennglas: Die Regelung der Ferienbetreuung darf nicht länger ins Private verschoben werden. Und das Durchwurschteln der Eltern weiter als völlig normal gelten.

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