Leitartikel: Der letzte Strohhalm

Sebastian Helbing über Klassenfahrten mit und ohne Bus.

Sebastian Helbing

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Foto: Sebastian Wetzel

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Busunternehmen spielen im ländlichen Thüringen eine unwahrscheinlich große Rolle. Sie entscheiden über Top oder Flop einer Region. Ist dem so?

Es sind die Kommunen, Kreise und das Land, die Beförderung bestellen. Wenn in Ämtern festgestellt wird, dass sich eine Strecke nicht rentiert, wird sie nicht mehr ausgeschrieben, einfach stillgelegt. Wer mit auf der Strecke bleibt, sind die Busunternehmen.

Die Kommunen sind es aber auch, die über das andere busunternehmerische Standbein entscheiden. Mit jeder Schulschließung wird der Weg zum Unterricht weiter und damit der Bedarf an Schulbussen größer. Ein lukratives Geschäft, wenn man den Zuschlag erhält. Zugegeben, in Corona-Zeiten kein so zuverlässiges.

Früher waren es die Kaffeefahrten, die Busunternehmer volle Busse bescherten. Doch das Geschäftsmodell ist nicht mehr so präsent. Wer heutzutage einen Zwei-Tages-Trip in die Alpen bucht, greift eher auf Fernbusse zurück. Doch der Markt hat sich in dem Sektor recht schnell sortiert. Erst recht jetzt, da der staatseigene Konkurrent auf der Schiene mit günstigeren Mehrwertsteuersätzen zum nächsten Preiskampf angesetzt hat.

Was noch bleibt, sind die Einnahmen aus dem Einmalgeschäft. Das sind Betriebsausflüge, Auswärtsfahrten zu Sportevents, aber meistens sind es Klassenfahrten, die in der Kalkulation eines jeden Busunternehmers zu finden sind. Das Geschäft mit den Schulausflügen ist eigentlich sehr planbar. Nun lässt das Land aber auch den Einnahmebaustein gewaltig wackeln.

Busunternehmen fahren immer mit staatlicher Hilfe – nicht nur in Krisenzeiten. Vielleicht hat sich das Geschäftsmodell des privaten Busunternehmens einfach überholt.

Ja, wir brauchen den öffentlichen Personennahverkehr, wenn er sich aber nicht selbst trägt, gehört er in staatliche Hand.

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