Leitartikel: Schuss nicht gehört

Fabian Klaus über die Phantomdebatte um den Schalldämpfer.

Wenn Fachleute im Thüringer Innenministerium befürchten, dass der Schalldämpfer fürs Jagdgewehr eine Einladung für Terroristen und andere Verbrecher ist, sich derlei Dinge einfach zu besorgen, dann muss man sich schon fragen: In welcher Welt lebt man in der Erfurter Steigerstraße eigentlich?

Ein Jäger aus dem Ilm-Kreis stellt diese Frage etwas anders mit identischer Intention, auf der nächsten Seite dieser Ausgabe vollkommen zurecht. Die Argumentation des Innenressorts, Schalldämpfer dürften nicht erlaubt werden, weil sonst Verbrecher sich diese leichter beschaffen können, geht vollkommen an der Realität vorbei. Wenn ein Auftragskiller meint, er müsse seine Pistole oder sein Präzisionsgewehr „leiser stellen“ – mit Verlaub: Dann wird ihm das auch ohne eine Änderung des Jagdgesetzes gelingen. Dass das Jäger an der Basis erkennen, die Theoretiker – oder Fachleute – aber nicht, zeigt erneut, wie lebensfremd manche Argumentation vom Schreibtisch aus erfolgt.

Die andere Sichtweise des Innenressorts, Spaziergänger würden nicht mehr ausreichend gewarnt durch die Lautstärke des Jagdgewehres mit Schalldämpfer, geht ebenso fehl. Denn mit errechneten 120 bis 130 Dezibel Druckpegel bleibt immer noch eine Vergleichbarkeit mit dem Start eines Düsenflugzeuges – erneut mit Verlaub: Wer ein Düsenflugzeug nicht starten hört, der vernimmt auch keinen Knall eines Jagdgewehres ohne Schalldämpfer.

In dieser Phantomdebatte braucht es ein bisschen mehr Sinn für die Wirklichkeit. Ein Verlassen des Schreibtisches könnte da schon helfen – um mit denen zu sprechen, die von der Jagd Ahnung haben.

f.klaus@tlz.de

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