Leitartikel: Thüringer Politiklabor

Elmar Otto zum Minderheitenmodell mit konservativen Projekten.

Elmar Otto.

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Foto: Andreas Wetzel

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Besser hätte es für Bodo Ramelow gar nicht laufen können. Zunächst macht der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck im ZDF einen Vorstoß für eine Annäherung der CDU an die Linken. Dann lobt ein ehemaliger CDU-Ministerpräsident seinen Nachnachfolger Ramelow derart über den grünen Klee („bei vielen Unternehmern hochgeschätzt und genießt auch in Deutschland breites Ansehen“), dass man fast versucht ist zu fragen, ob Dieter Althaus die Partei gewechselt hat. Und schließlich reist Gauck, der nicht im Verdacht steht, ein Fürsprecher der Linken zu sein, sogar noch nach Erfurt, um sich vertraulich mit Ramelow und CDU-Chef Mike Mohring zum Abendessen zu treffen.

Wobei bei dieser Zusammenkunft weniger das leibliche Wohl, als das Ausloten der Regierungsfähigkeit Thüringens im Mittelpunkt stand. Geht da also doch etwas zwischen CDU und Linken? Scheinbar ja. Allerdings ist es für eine Koalition noch zu früh.

Ein solches Bündnis wird durch Parteitagsbeschlüsse verhindert. Aber Mohring ist ob der orchestrierten Intervention durch Gauck und Althaus geradezu genötigt, Rot-Rot-Grün auf welche Art und Weise auch immer zu stützen. Und die Wahlverlierer von SPD und Grünen werden daran erinnert, angesichts der konservativen Alternative nicht übermütig zu werden.

Der Freistaat wirkt zurzeit wie ein Politiklabor. Schon jetzt macht wieder das Wort vom „Thüringer Modell“ die Runde. Vor fünf Jahren verstand man darunter noch die erste rot-rot-grüne Koalition unter linker Führung. Jetzt könnte der Begriff für eine bis dato noch nicht dagewesene Minderheitenkoalition stehen, die von Union und Liberalen mitgetragen wird.

Sollte dieses Modell zustandekommen und Ende auch noch erfolgreich sein, werden die Linken Ramelow in Thüringen wohl endgültig ein Denkmal setzen.

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