Lesen macht klug: Hommage an Tag des Buches

Der Mai ist ein ziemlich praller Monat. Überall regt sich - wie der Dichter weiß - Bildung und Streben. Irgendwo dazwischen - genauer gesagt am 10. Mai - ist im Gedenkkalender auch der Tag des Buches untergekommen, schreibt Bodo Baake in einem Kommentar der Thüringischen Landeszeitung.

Foto: Peter Michaelis

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Alles schwillt und quillt im Mai, platzt aus Schoten und Schalen. Besonders dafür sind in den Wonnemonat

zwischen das Läuten der Maiglöckchen und das Erklingen des Schellenkrautes zahlreiche Gedenk- und Feiertage eingebaut - vom 1. bis zum 8. Mai, vom Vatertag an Christi Himmelfahrt bis hin zu Pfingsten, dem lieblichen Feste. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat den Tag des freien Buches 1983 auf beiden Seiten der Grenze durch die innerdeutschen Bücher­regale als Gedenktag gegen die Bücherverbrennung der Nazis von 1933 eingeführt.

Das war eine ziemlich schauerliche Veranstaltung, denn wie zuvor schon Heine wusste: Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen! Dennoch entbehrte dieses Autodafe nicht einer gewissen Komik. Der oberste Mordbrenner, der um Mitternacht in Berlin eine ­feurige Rede an dem Aschehaufen aus 25 000 Büchern hielt, war ausgerechnet ein promovierter Germanist! Mit Namen Joseph Goebbels. Die da stapelweise Weltliteratur den Flammen übergaben, waren vorzugsweise Studenten. Und außerdem wollte der Scheiter-haufen in dieser dusteren Regennacht nicht recht brennen, so dass die Feuerwehr der Reichshauptstadt mit Benzinkanistern nachhelfen musste. In Jena soll es übrigens nicht geregnet haben, was aber diesen Tag auch nicht fröhlicher machte.

Wir sind mit der Erinnerung daran vielleicht ein bisschen spät. Der Mai hat es eben in sich. Aber er sorgte auch dafür, dass uns aus dem Bücherregal ein schmales Bändchen entgegenquoll: „Die geheimen Aufzeichnungen des Buchhändlers“. Der Frankfurter Büchermann Gerard Otremba hat darin skurrile Kundenwünsche gesammelt und decodiert. Das geht so: „Tach, ich suche das Gulaschbuch eines Russen?“ Gemeint war kein Kochbuch, sondern Solschenizyns „Archipel Gulag“. Ein Pennäler fragte nach „Nazis in Dortmund“ (Narziss und Goldmund), andere nach „Iffie das Biest (Effi Briest), „Das Schneegestöber von Frau Müller“ (Fräulein Smillas Gespür für Schnee) oder nach einem „Schweizer Buch über einen Schwulen namens Frisch“ (Ho-mo Faber von Max Frisch).

Was sagt uns das? Der Mai und der Volksmund bringen komische Blüten hervor. Und Bücher kann man verbrennen und verballhornen, aber nicht umbringen. Buch macht kluch! Wie einer von Brockhaus postern ließ.

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