Linke am Scheideweg

Für Gesine Lötzsch, Parteichefin der Linken, bleibt der Kommunismus das Ziel. Dazu meint Hartmut Kaczmarek:

Die Linkspartei am Scheideweg: Wohin will sie? Will sie den Pragmatikern um Bodo Ramelow folgen? Oder doch eher den orthodoxen Kommunisten um Sarah Wagenknecht? Wenn man der Co-Vorsitzenden Gesine Lötzsch folgt, dann bleibt der Kommunismus das Ziel. Lötzsch argumentiert in ihrem Artikel für die "Junge Welt" wie eine Leninistin: Der Kommunismus ist das Ende der Geschichte, die Menschen sind aufgerufen, den Weg dahin zu finden. Und die Anleitung dazu liefert - na, wer wohl? Natürlich die Partei. Denn die hat immer recht...

Jetzt hat die Linkspartei nicht nur das Problem des extrovertierten, dem Luxus nicht abgeneigten Parteivorsitzenden Klaus Ernst. Nein, die Pragmatiker und Reformer müssen sich jetzt fragen, wer denn eigentlich das Sagen hat. Die Ramelows der Linken wollen die Partei regierungsfähig machen, Lötzsch spielt sich als die Gouvernante derjenigen auf, die nichts dazugelernt haben, die weiterhin den Kommunismus als ihre Leitkultur begreifen. Die Linkspartei ist auf dem Weg zurück, die Bemühungen eines Ramelow, aus Ost und West eine moderne linke Kraft in Deutschland zu machen, stehen kurz vor dem Scheitern. Zumal Lötzsch in ihrem Artikel offenbar keine Zeile für die grausamen Verbrechen übrig hat, die im Namen des Kommunismus geschehen sind.

Ost gegen West, Pragmatiker gegen Doktrinäre - so verlaufen die Kampflinien in der Linkspartei derzeit. Und selbst die Bekenntnisse zu den SED-Verbrechen wirken plötzlich nur noch irgendwie hohl. Irgendwann werden das auch diejenigen merken, die in der Linkspartei eine heimelige Sozialwohlfühlstube sehen.