SPD macht gerade einen schweren Fehler

Ein Kommentar von Gerlinde Sommer zum Ende der Historischen Kommission der SPD

Es lässt sich leicht vorstellen, dass nach bald 40 Jahren eine Historische Kommission (Hiko) auf den Prüfstand gehört. Welche Herausforderungen stellen sich heute – und was bedeutet dies mit Blick auf die Geschichte? Und wie immer: Wie geht man um mit den Menschen, die sich bisher vor allem auch ehrenamtlich engagiert haben – und von denen es nun einige würdig, aber schnell auf das Altenteil zu schieben gilt, um Jüngere ran zu lassen ?

Wie solche Herausforderungen ganz sicher nicht zu lösen sind, zeigt gerade in aller Deutlichkeit die SPD. Klar: Wenn jemand etwas nicht mehr will, schiebt er klamme Kassen vor. Tatsächlich hustet die SPD nicht nur, sie ist krank. Leidet an Schwindsucht, auch monetär. Weniger Wähler, rückläufige Mitgliederzahlen, weniger Geld in der Kasse. Und zudem drücken die Rechnungen aus dem teuren 2017er-Wahlkampf, der zum Wahlkrampf geriet. Aber die kolportieren 20 000 Euro pro Jahr für die Historische Kommission sind nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein und machen die SPD gewiss nicht gesund. Vergibt sie zudem künftig Forschungsaufträge, werden diese kaum für lau zu haben sein. Und die Friedrich-Ebert-Stiftung ist zwar parteinah. Aber wenn sie die Aufgabe übernehmen soll, werden auch dort Kosten anfallen. Die Stiftung hat die nötigen Experten nicht sowieso unter Vertrag...

Das Schlimme am Ende der Hiko ist das Signal : Die SPD mit ihrer stolzen Parteihistorie gerade auch in Thüringen will nun ebenso wie schon die FDP, die nicht mehr als liberale Partei im eigentlichen Sinne auftritt, vor allem heutig sein. Also: geschichtsvergessen. Das macht Parteien hohl und kaputt.

g.sommer@tlz.de

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