Thüringer Spitzen: „Ich bin der Bodo“

Elmar Otto schaut den Ministerpräsidenten bei Youtube.

Elmar Otto

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Foto: Andreas Wetzel

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Der Hintergrund ist knallrot. „Youtube ist wichtig, haben Sie gesagt. Deshalb habe ich es versucht“, lautet die schriftliche Ankündigung auf dem Onlinevideokanal. Und dann kommt nicht etwa der ­Armin von der CSYou, sondern: „ der Bodo“ – der mit einem „Hey Freunde“ die Zuschauer willkommen heißt.

Genauso lässig wie die erste Ansprache bleibt Thüringens Ministerpräsident während des ganzen Clips. Da wird geduzt und gestikuliert, dass sich eta­blierte Youtuber verwundert die Augen reiben. Das Konterfei im Rahmen auf dem Tisch wechselt von Rezo zur Linken-Ikone Gregor Gysi. Im Regal stehen Mario-World-Spiele. An der Wand prangt „Cool!“ und „Geil!“

Was macht man am besten, um jüngere Wählerschichten anzusprechen, wird sich Ramelow gefragt haben? Seine Antwort ist auch eine Frage: Warum sich nicht mal selbst auf den Arm nehmen? Ob der Selbstversuch gelungen ist, werden wohl höchstens die Demoskopen messen können. Das Motto aber wird deutlich: Wer nicht über sich selbst lachen kann, hat hier nichts zu suchen.

Natürlich hat der Regierungschef den 27. Oktober im Blick und beweist, dass er die Szenesprache verinnerlicht hat. „Ihr wisst doch, is‘ bald Wahlkampf. Da gibt‘s wieder so viele Geschenke. Ich hab‘ da mal Haul gemacht.“

„Haul“ ist Englisch für „Beute“ und Ramelow kramt in einem Karton. ­„Unboxing“ nennt man diese Art der ­Präsentation. Und was findet der medienaffine 63-Jährige auf seiner Pirsch nach den offenbar sinnigsten Werbegeschenken, die die Parteien unters Volk ­werfen? „Bei‘n Linken gibt‘s was zu lesen.“ Von der eigenen Partei ist aber noch mehr im Angebot, rote Brause zum Beispiel.

Von den Grünen gibt es einen Sattelschoner, „den man sich über den Kopf ziehen kann“, frotzelt Ramelow.

Vom anderen Koalitionspartner gibt es ein Radiergummi mit SPD-Logo.

„Aber wo ist denn, wo ist denn... Ehrlich gesagt, hier ist von der CDU nichts drin“, darf ein Seitenhieb auf die politische Konkurrenz nicht fehlen.

Am Ende findet er sogar doch noch einen CDU-Kuli und persifliert ein bisschen diese Verkäufer im Bezahlfernsehen: „Das hier ist mein Hit, eine Tasse von der SPD, total kreativ.“

Irgendwann ist die gut einminütige Ramelow-Show auch schon fast wieder vorbei. Im schriftlichen Abspann folgt Selbsterkenntnis: „Ok, ich habe es versucht. Vielleicht überlasse ich Youtube doch lieber den Profis.“ Denn Ramelow ist davon überzeugt, dass er zumindest eines besser kann: „Politik für die Menschen in Thüringen!“

Und um das zu beweisen, wildert er ganz ordentlich in fremden Gefilden: 70 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2030, führt der Linke an. 100 Prozent Ökostrom bis 2040. Den Klimaschutz und 200 Millionen Bäume, die neu gepflanzt werden sollen. Ob die Grünen das so witzig finden wie der Ministerpräsident?

Wir sind auf weitere Unboxing-Videos der anderen Spitzenkandidaten gespannt.

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