14. Erfurter TLZ-Zukunftsforum über die Begegnungszone

"Wir werden lernen müssen, dass nicht jeder hundertprozentig seine Interessen durchbekommt. Wir müssen versuchen, alle Belange aufeinander anzupassen. Das wird eine Kunst. Das gibt es keine Wahrheit. Dafür brauchen wir viele Dialoge", erklärte Uwe Spangenberg.

Voller Saal: Mehr als 70 Gäste kamen zum TLZ-Zukunftsforum ins Mercure Hotel. Sie verfolgten nicht nur die Statements der Podiumsmitglieder aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, sondern meldeten sich, wie im Bild Roland Spitzer, selbst zu Wort. Foto: Marcus Scheidel

Voller Saal: Mehr als 70 Gäste kamen zum TLZ-Zukunftsforum ins Mercure Hotel. Sie verfolgten nicht nur die Statements der Podiumsmitglieder aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, sondern meldeten sich, wie im Bild Roland Spitzer, selbst zu Wort. Foto: Marcus Scheidel

Foto: zgt

Erfurt. Der Beigeordnete der Stadt Erfurt für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr lieferte damit am Dienstagabend das Schlusswort unter das 14. Erfurter Zukunftsforum.

Im Konferenzsaal des Mercure Hotels in der Meienbergstraße diskutierten neben Uwe Spangenberg noch Myriam Berg, Chefin der Erfurter Verkehrsbetriebe AG, Heinz-Jochen Spilker, Vorsitzender vom Verein City-Management und Bernhard Deimel vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) über Entwicklungen im innerstädtischen Verkehr.

Moderiert von Frank Karmeyer, Leiter der Erfurter Lokalredaktion der TLZ, war hierbei die zukünftige Begegnungszone in der Innenstadt das bestimmende Thema. Einleitend skizzierte Uwe Spangenberg den mehr als 70 Gästen, was sich hinter der geplanten Begegnungszone verbirgt. Die Begegnungszone wird in drei Phasen eingeführt: Zuerst, mit Jahresbeginn 2014, wird der Belieferungsverkehr in der Fußgängerzone zeitlich eingeschränkt.

Mitte 2014 sollen dann die bisher bestehenden Durchfahrten durch die Altstadt für den Autoverkehr unterbunden werden: Besonders brenzlig ist hierbei die nötige Öffnung der Domstraße wieder für beide Fahrtrichtungen, damit Anwohner das Quartier Lange Brücke erreichen.

Als Drittes soll im Konzept Begegnungszone ab 2015 das Parken mit folgenden Prämissen neu organisiert werden: öffentliche Parkplätze raus aus der Innenstadt sowie weitere Parkhäuser an die Peripherie der Innenstadt.

Heinz-Jochen Spilker vom City-Management verdeutlichte, dass Erfurt eine Großstadt sei und deshalb auch als Großstadt denken müsse. Er habe manchmal den Eindruck, "dass es auf einer Bundesautobahn ruhiger zugeht als auf dem Anger", zielte er auf den permanenten Lieferverkehr und vereinzelte rasende Radfahrer in der Fußgängerzone. "Wir werden uns in ein paar Jahren nicht mehr daran erinnern wollen, in was für einem Chaos wir gelebt haben."

Dass sich in den vergangenen Jahren vieles für die Radfahrer in Erfurt verbessert hat, unterstrich Bernhard Deimel vom ADFC. Dennoch: "In Erfurt ist es nicht leicht, Rad zu fahren", bilanzierte er.

In dem Moment, als Heinz-Jochen Spilker als Vertreter der Händler und Bernhard Deimel als Rad-Fürsprecher sich gegenseitig rechtliche Fakten vorhalten wollten, schritt Uwe Spangenberg ein: "Juristische Regularien helfen nicht weiter. Jeder rücksichtslose Verkehrsteilnehmer, ganz egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer ist ein Ärgernis. Mit der Begegnungszone wollen wir erreichen, dass alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen." Prompt erhielt der Vertreter aus dem Erfurter Rathaus Applaus. Beifall erntete auch Roland Spitzer. Der Erfurter Bürger zeigte sich völlig unbeeindruckt davon, wie es mit dem innerstädtischen Verkehr in anderen Städten gehandhabt wird und wie Erfurt dazu im Vergleich dasteht: "Ich möchte nicht dauern in eine andere Stadt ziehen. Ich möchte Lebensqualität in meiner Stadt."

Wird die Begegnungszone den innerstädtischen Verkehr zu Zufriedenheit aller regeln können? Wie sind die verschieden Interessen von mehr als 200.000 Einwohnern, 60.000 täglichen Berufs-Einpendlern und insgesamt 11 Millionen jährlichen Besuchern unter einen Hut zu bringen?

Nicht nur Uwe Spangenberg ist da zuversichtlich. Myriam Berg kündigte an, dass die Erfurter Verkehrsbetriebe an Konzepten arbeiten, die auf die Begegnungszone Bezug nehmen. Auch Matthias Plhak ist in puncto Begegnungszone hoffnungsfroh. "Wenn alle Verkehrsteilnehmer mit der Begegnungszone gezwungen sind, sich auf Augenhöhe zu begegnen, wird ein Lernprozess einsetzen."

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