14. Erfurter Zukunftsforum: Verkehr in der Innenstadt

Die Zukunft des innerstädtischen Verkehrs ist für Myriam Berg, Chefin der Erfurter Verkehrsbetriebe AG (Evag), untrennbar mit einer grünen Mobilitätskette verbunden.

Wer nicht erst an der Haltestelle wissen will, wie er am besten weiterkommt, kann bald alle Fahrpläne in Echtzeit oder mögliche Störungen durch Baustellen oder Unfälle über eine Evag-App abrufen.

Wer nicht erst an der Haltestelle wissen will, wie er am besten weiterkommt, kann bald alle Fahrpläne in Echtzeit oder mögliche Störungen durch Baustellen oder Unfälle über eine Evag-App abrufen.

Foto: zgt

Erfurt. Die Begegnungszone in der Altstadt, Lösungen für Parkraum oder neue Linienführungen für Stadtbahn und Busse sind Dinge, die weiterentwickelt werden müssen, um auch in Jahrzehnten noch eine lebenswerte Stadt zu haben.

Dabei schmoren weder die Evag noch die Stadt im eigenen Saft, sondern planen miteinander, stimmen ihre Konzepte ab. Demografischer Wandel, Klimawandel, der Umgang mit knapperen Ressourcen, eine stetig ansteigende Weltbevölkerung sowie der Trend der "Verstädterung" sind Herausforderungen, die überall auf der Welt bestehen und denen man sich bereits jetzt stellen muss.

"Verstädterung bedeutet, dass sich im Jahr 2050 in den größeren Städten so viele Menschen konzen­trieren werden, wie sie sich jetzt überall verteilen. Das kann schon eine Gänsehaut verursachen", findet Myriam Berg. Und sie sagt: "Wir müssen heute die Weichen stellen."

Elektro-Fahrräder und Elektro-Leihautos

Ein umfassendes Mobilitätspaket wird bei der Evag gerade erarbeitet und soll die konkreten Schritte bis 2020 festlegen. Das bedeutet, den Umweltverbund zu stärken. "Bislang heißt, umweltfreundlich unterwegs zu sein: ÖPNV nutzen, zu Fuß gehen oder das Rad nehmen", erläutert sie. Bis 2020 soll das Mobilitätspaket zum Beispiel ergänzt sein um Elektro-Fahrräder oder Elektro-Leihautos. Dahinter steckt das Motto "nutzen statt besitzen".

Dafür mussten die Erfurter Verkehrsbetriebe nicht das Rad neu erfinden, sondern einem bundesweiten Trend folgen - beziehungsweise diese Entwicklung aktiv mitgestalten. "Das Motto ist Bestandteil unserer Unternehmensstrategie geworden", hält die Evag-Chefin fest. "Und es lässt sich sehr gut auf Erfurt anwenden."Auch bei den Vorbereitungen der Buga 2021 führt für die Stadt kein Weg an den Verkehrsbetrieben vorbei.

"Die Baumaßnahme in der Schlösserstraße wäre auch ohne Buga erfolgt, aber sie liefert beste Voraussetzungen - mitsamt den neugestalteten Haltestellen", sagt Myriam Berg über die Ein- und Ausstiege, die seit den jüngsten Umbauten barrierefrei sind, aber auch die Haltestellen, die an einen günstigeren Punkt versetzt worden sind.

Das Problem, den motorisierten Verkehr aus der Innenstadt mehr herauszuhalten, gehen Stadt, Evag, Stadtwerke und andere Partner bereits gemeinsam an. Ein erster Schritt soll die Begegnungszone ab Januar sein. Doch auch die Parkraumnutzung zu verbessern oder das Angebot an P+R-Flächen am Stadtrand attraktiver zu gestalten, erfordert, dass alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen.

Wer nicht erst an der Haltestelle wissen will, wie er am besten weiterkommt, kann bald alle Fahrpläne in Echtzeit oder mögliche Störungen durch Baustellen oder Unfälle über eine Evag-App abrufen - so wie dies die Laufschrift auf den Infotafeln jetzt schon verrät. Zunächst wird die App für i-Phones fertiggestellt, folgen soll das App-Angebot für die ebenfalls internetfähigen Android-Geräte. Das Handy-Ticket nutzen Fahrgäste bereits eifrig.

Die Erfurter stecken auch mittendrin in einem bundesweiten Forschungsprojekt, das Mobilitätsangebote schaffen will. Und gemeinsam mit den Nürnberger Verkehrsbetrieben erarbeiten die Erfurter Experten "Nadine", eine Navigation von Tür zu Tür für Handynutzer, die verschiedene Verkehrsmittel wie Bahn und Carsharing vernetzt.

Evag-Chefin Myriam Berg nimmt an der Diskussion beim TLZ-Zukunftsforum zum innerstädtischen Verkehr am Dienstag, 5. November, 19.30 Uhr, im Hotel Mercure Altstadt, Meienbergstraße 26/27 teil. Mit ihr diskutieren Uwe Spangenberg (Beigeordneter für Stadtentwicklung), Heinz-Jochen Spilker (Vorsitzender Citymanagement-Verein) und Bernhard Deimel (ADFC).

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