Antifa-Demo legt ein ganzes Dorf in Thüringen lahm

Bornhagen  Linke Demonstration verlief friedlich, aber im Ort gab es erhebliche Einschränkungen – NPD-Mann Heise war mit Pferdeäpfeln unterwegs

Etwa 180 Antifa-Demonstranten sind am Männertag nach Bornhagen gekommen – sie wurden von der Polizei bewacht. Foto: Fabian Klaus

Etwa 180 Antifa-Demonstranten sind am Männertag nach Bornhagen gekommen – sie wurden von der Polizei bewacht. Foto: Fabian Klaus

Foto: zgt

Langsam kommt der Alltag zurück. Den Himmelfahrtstag vergessen die Bornhagener diesmal nicht sehr schnell. 180 zum Großteil jugendliche Antifa-Demonstranten sind der Grund dafür.

Sie gingen in der 300-Einwohner-Gemeinde auf die Straße und legten damit über Tage das Leben im Ort nahezu lahm. Denn die Polizei hatte sich auf eine Großeinsatz vorbereitet, was die Anwesenheit von mehr als 200 Polizeibeamten sowie einer Reiterstaffel aus Bochum bescheinigte. Eine Frauensportgruppe, die sich jede Woche einmal im Kulturzentrum der Gemeinde trifft, musste ihre Aktivitäten vor Himmelfahrt absagen, weil die Polizei die Räumlichkeiten brauchte. Auf der Burg Hanstein, in aller Regel sind hier am Männertag hunderte Menschen zu Gast, wurden diesmal lediglich 50 Personen gezählt. Die örtliche Gaststätte, der Klausenhof, kämpfte mit Einschränkungen – noch bis in den Abend kamen Gäste, die dort übernachten wollten, nicht in den Ort. Außerdem trafen sich weniger Menschen in dem Gasthaus als in anderen Jahren.

Polizeidirektor Michel Köster, der den Einsatz leitete, wollte ursprünglich noch mehr Polizisten nach Bornhagen beordern, wie er der TLZ sagte. Allerdings gab es Platzprobleme. Deshalb musste er schweres Gerät – Wasserwerfer und Räumpanzer – auffahren lassen.

Die Antifa verursachte den Großeinsatz, um ihren Protest gegen den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke kund zu tun, der in Bornhagen mit seiner Familie ein Eigenheim bewohnt. Schon Wochen vorher hatte die Demo für Schlagzeilen gesorgt, weil sie von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) mit Nazi-Methoden verglichen wurde und dadurch bundesweite Aufmerksamkeit erlangte.

Was sich in Bornhagen tatsächlich abspielte, wurde vor allem von Einheimischen kritisch beäugt. „Die versauen uns den ganzen Tag“, sagte Axel Zahn der TLZ. Er bewohnt ein Eigenheim am Kulturzentrum – der Demonstrationsstrecke. Baumaterialien musste er vorsorglich zur Seite räumen.

Die Demonstranten selbst, die größtenteils aus Berlin und Halle, aber auch aus Erfurt und dem Eichsfeld kamen, brauchten einige Zeit, um in Bornhagen anzukommen. Denn am Ortseingang kontrollierte die Polizei jeden einzelnen Demo-Teilnehmer – die Bilanz: zwei Messer und drei zur Vermummung taugliche Schals wurden sichergestellt. Außerdem gab es zwei Festnahmen, allerdings aus dem rechten Spektrum, wegen Widerstands gegen die Polizei.

An das Vermummungsverbot hielten sich einige Demonstranten aber dennoch nicht, zogen die Transparente weit über das Gesicht oder tarnten sich mit ihren Kapuzenpullis. Die Polizei interessierte sich dafür allerdings nicht sonderlich, da es ansonsten friedlich blieb.

Einige Bornhagener begrüßten die Antifa demonstrativ mit dem Eichsfeldlied. Angesichts der eindeutigen Plakate, die zum Beispiel die Drohung enthielten, die Dorfgemeinschaft zu zerstören, stießen die Demonstranten auf wenig Verständnis.

Eine, die sich positiv über die Demonstration äußerte, ist die Thüringer Landtagsabgeordnete Johanna Scheringer-Wright (Linke). Bornhagen gehörte zu ihrem Wahlkreis, bevor sie in die Region Gotha wechselte. Bornhagen, sagte sie der TLZ, sei ihr als altes SPD-Dorf bekannt. Deshalb sei sie schockiert über das gute AfD-Ergebnis 2014 gewesen. „Es gibt in der AfD sicher einige Leute, denen der Rechtsruck der Partei recht ist. Björn Höcke zähle ich da dazu“, sagte sie. Das Demonstrationsrecht sei ein hohes Gut – auch am Himmelfahrtstag.

Für Aufsehen sorgte außerdem der NPD-Kreisvorsitzende Torsten Heise, der mit einem Trecker voller Pferdemist nach Bornhagen fahren wollte. Heise hatte zuvor angekündigt, dass die Eichsfelder die Antifa mit Pferdeäpfeln bewerfen würden – offenbar wollte er das dazugehörige Material liefern. Allerdings musste er unverrichteter Dinge wieder umdrehen. Denn die grünen Kennzeichen am Traktor lassen nur den landwirtschaftlichen Betrieb des Gefährts zu – und den konnte er nicht glaubhaft darstellen.

Die Demonstration verlief indes friedlich. Zwei Runden durften die Antifaschisten um das Kulturzentrum drehen. Dabei beleidigten sie die Bornhagener mehrfach, einige Dorfjugendliche konterten das. Am Rande der Demo versuchte eine Gruppe Neonazis zur Demonstrationsstrecke zu gelangen – sie wurde aber von der Polizei abgehalten.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.