Washington. Bei den US-Vorwahlen wird es heute spannend: Der „Super Tuesday“ steht an. Was den Tag so besonders macht – und woran es Kritik gibt.

  • In den USA findet heute der sogenannte „Super Tuesday“ statt
  • Er ist einer der wichtigsten Tage in den US-Vorwahlen
  • Lesen Sie hier, was ihn so besonders macht

Er gehört alle vier Jahre im Kalender der US-Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur zu den aufregendsten Tagen: der „Super Tuesday“. Auch wenn der langwierige Prozess, in dem Demokraten und Republikaner in den 50 Bundesstaaten der USA über ihre Kandidaten abstimmen, noch bis Ende Juni dauert – am „Super Tuesday“, diesmal der 5. März, werden die entscheidenden Weichen gestellt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Lesen Sie auch: Donald Trump hat immer mehr Aussetzer – Wie fit ist er?

Was ist der „Super Tuesday“?

Seit den 70er Jahren stimmen traditionell an einem Dienstag (deswegen Tuesday) Anfang März in über einem Dutzend Bundesstaaten (darum das Super) zwischen Ost- bis Westküste die (Vor)-Wähler beider Parteien ab, wer ins Rennen um die Präsidentschaft gehen soll. Wer am „Super Tuesday“ die Nase vorn hat, sprich: die meisten Delegierten für die Nominierungsparteitage (conventions) einsammelt, bekommt am Ende meist auch das Ticket für die Wahl zum US-Präsidenten.

In wie vielen Bundesstaaten finden am „Super Tuesday“ Vorwahlen statt?

In 15 Bundesstaaten und im US-Territorium American Samoa sind die Wähler aufgerufen, ihre Stimmen für ihren bevorzugten Präsidentschaftsbewerber abzugeben.

  • Alabama
  • Alaska (nur Republikaner)
  • Arkansas
  • Colorado
  • Iowa (nur Demokraten)
  • Kalifornien
  • Maine
  • Massachusetts
  • Minnesota
  • North Carolina
  • Oklahoma
  • Tennessee
  • Texas
  • Utah
  • Vermont
  • Virginia

„Super Tuesday“: Warum ist der 5. März so wichtig?

Bei den Republikanern werden an diesem Tag 874 Delegierte von insgesamt 2429 für den Parteitag im Juli in Milwaukee/Wisconsin vergeben. Das sind rund 36 Prozent aller Delegierten, die dann in der Stadt am Lake Michigan zusammenkommen. Für die Kandidatur benötigt der Sieger 1215 Stimmen. Bei den Demokraten geht es am „Super Tuesday“ um 1421 Delegierte. Das entspricht 37,7 Prozent.

„Ich habe gewählt“ – am 5. März werden Hunderttausende Amerikaner das nach den Vorwahlen am „Super Tuesday“ behaupten können.
„Ich habe gewählt“ – am 5. März werden Hunderttausende Amerikaner das nach den Vorwahlen am „Super Tuesday“ behaupten können. © AFP | Jeff Kowalsky

Wer vergibt am „Super Tuesday“ die meisten Delegiertenstimmen?

Bei den Republikanern sind Kalifornien (169), Texas (161), North Carolina (74), Tennessee (58), Alabama (50) und Virginia (48) am „lukrativsten“. Wer hier gewinnt, hat schon fast die halbe Miete für den Parteitag eingefahren. Bei den Demokraten gibt es die meisten Delegierten in Kalifornien (424), Texas (244), North Carolina (116) und Virginia (99.)

Was bedeutet der „Super Tuesday” für Donald Trump?

Der klar favorisierte Ex-Präsident hat bereits rund 250 Delegierte bei den ersten Vorwahlen (Iowa, New Hampshire, Nevada South Carolina, Amerikanisch-Samoa, Michigan, Idaho und Missouri) für sich gewonnen. Mit weiteren klaren Siegen am „Super Tuesday“ kann der Ex-Präsident den Löwenanteil der Delegierten hinter sich bringen und spätestens nach den Vorwahlen am 19. März endgültig den Sack zumachen. Dass ihm seine einzige Konkurrentin Nikki Haley (bisher erst 24 Delegierte) abseits von Achtungserfolgen hier und da noch wirklich gefährlich wird, gilt zurzeit unter US-Wahlexperten als fast ausgeschlossen.

Und wie sieht es bei den Demokraten aus?

Bei den Demokraten sind die Vorwahlen weniger relevant, weil Amtsinhaber Joe Biden gesetzt ist und bis auf den aussichtslosen Kongress-Abgeordneten Dean Phillips keinerlei Konkurrenz hat. Die Demokraten vergeben am „Super Tuesday” 1420 Stimmen – rund 40 Prozent aller Delegierten, die Mitte August in Chicago offiziell den Kandidaten für die Wahl am 5. November wählen werden (nach jetzigem Stand: Joe Biden).

Bei den Demokraten sind die Vorwahlen strukturell unspannend. Amtsinhaber Joe Biden ist gesetzt, er hat keine echte Konkurrenz. Allein an den Wahlergebnissen wird man ablesen können, ob sich der 81-Jährige bei der Wahl im November auf Widerstand im Wahlvolk einstellen muss.
Bei den Demokraten sind die Vorwahlen strukturell unspannend. Amtsinhaber Joe Biden ist gesetzt, er hat keine echte Konkurrenz. Allein an den Wahlergebnissen wird man ablesen können, ob sich der 81-Jährige bei der Wahl im November auf Widerstand im Wahlvolk einstellen muss. © imago/UPI Photo | IMAGO/BONNIE CASH

Gibt es Besonderheiten?

Am 5. März sind auch die Stimmen von US-Demokraten gefragt, die im Ausland leben. Die „Democrats Abroad” stellen allerdings nur 13 Delegierte.

Ist der „Super Tuesday“ umstritten?

Die Bündelung von über einem Dutzend Vorwahlen an einem Tag, bei denen die Bundesstaaten individuell über den Ablauf entscheiden – in manchen dürfen nur eingetragene Demokraten und Republikaner wählen, andere Bundesstaaten bieten offene und teil-offene Verfahren auch für Parteiunabhängige an –, erntet regelmäßig Kritik.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Zum einen, weil es nicht immer dieselben Bundesstaaten sind, die wählen. Zum anderen, weil die restlichen Vorwahlen danach in der Regel medial verblassen. Die Diskussion über einen landesweit zentralen Vorwahltag analog zur Wahl etwa des Deutschen Bundestags wird jedoch seit Jahren ohne Erfolg geführt; der regionale Individualismus ist hartnäckig.

Sein Bundesstaat ist erst am 19. März dran. Aber der republikanische Senator JD Vance aus Ohio kann sich Hoffnungen auf das Ticket für die Vize-Präsidenten-Bewerbung unter Donald Trump machen.
Sein Bundesstaat ist erst am 19. März dran. Aber der republikanische Senator JD Vance aus Ohio kann sich Hoffnungen auf das Ticket für die Vize-Präsidenten-Bewerbung unter Donald Trump machen. © Polaris/laif | Polaris/laif

Wann liegen die Ergebnisse vor?

Das geschieht gestaffelt. Die Wahllokale schließen wegen der unterschiedlichen Zeitzonen in den USA nicht gleichzeitig. Im Osten endet die Stimmabgabe in mehreren Bundesstaaten um 19 Uhr Ortszeit, also am 6. März gegen 1 Uhr deutscher Zeit. Den Schlussakzent setzt Kalifornien. Dort wird bis 5 Uhr deutscher Zeit am Mittwoch abgestimmt. Bis zu den Endergebnissen kann es manchmal Tage dauern.

Wie geht es nach dem „Super Tuesday” weiter?

Am 12. März wählen Georgia, Mississippi und Washington State sowie Hawaii. Am 19. März folgen Arizona, Florida, Illinois, Kansas und Ohio. Spätestens dann dürfte, wenn nicht gravierende Überraschungen geschehen, Donald Trump die republikanische Kandidatur rechnerisch in der Tasche haben.