Beim jährlichen Neonazi-Konzert in Leinefelde ist Öffentlichkeit unerwünscht

Leinefelde  Die Premiere liegt mehr als fünf Jahre zurück. Der Eichsfeldtag oder Heimattag der NPD in Leinefelde hat sich mittlerweile zu einer Tradition entwickelt. Von Beginn an war klar, dass die anwesenden Neonazis die Öffentlichkeit scheuen.

Rund 280 Anhänger der rechten Szene hatten sich am Wochenende in Leinefelde zu einem Rockkonzert versammelt. Foto: Eckhard Jüngel

Rund 280 Anhänger der rechten Szene hatten sich am Wochenende in Leinefelde zu einem Rockkonzert versammelt. Foto: Eckhard Jüngel

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Die Premiere liegt mehr als fünf Jahre zurück – der Eichsfeldtag oder Heimattag der NPD in Leinefelde hat sich mittlerweile zu einer Tradition entwickelt. Von Beginn an war klar, dass die anwesenden Neonazis die Öffentlichkeit scheuen.

Schon 2011, als der Eichsfelder Landrat Werner Henning (CDU), Leinefeldes Bürgermeister Gerd Reinhardt (CDU) und der damalige Bischöfliche Kommissarius des Eichsfeldes, Heinz Josef Durstewitz, die Veranstaltung besuchten, um sich ein Bild von dem zu machen, was tatsächlich passiert, durften sie dabei nicht journalistisch begleitet werden. Es war die erste Erfahrung dieser Art beim Eichsfeldtag – es sollte es nicht die letzte bleiben.

Der stellvertretende Kreisvorsitzende Matthias Fiedler bot im selben Jahr an, dass vom Gelände Aufnahmen gefertigt werden können, allerdings würden zwei Ordner die Begleitung übernehmen und in aller Freundlichkeit dem Journalisten die Fotomotive vorschreiben. Der Autor dieses Textes lehnte das ab.

Kinder wollen beschäftigt sein

Für die Eichsfelder stellte das Neonazi-Fest im Leinefelder Süden seit seiner Premiere eine besondere Belastung dar. Die Anwohner in den Mehrfamilienhäusern der Südstadt müssen an jenem Samstag und meist schon weit vorher viele Einschränkungen in Kauf nehmen – mancher, wie in diesem Jahr, kommt nicht einmal mehr zu den Containerstellplätzen, in denen der Hausmüll entsorgt wird.

Die Neonazis um den mehrfach vorbestraften NPD-Kreisvorsitzenden Thorsten Heise interessiert das wenig. Sie melden in jedem Jahr ihre Rechtsrockveranstaltung an, tarnen sie als Familientag und haben, um das nach außen noch deutlicher zu machen, vor geraumer Zeit sogar die Hüpfburg in Fliegenpilzoptik gegen ein moderneres Pendant ersetzt – schließlich wollen die in jedem Jahr anwesenden Kinder beschäftigt sein, wenn die Eltern vor der Bühne den rassistischen Wortbeiträgen der unterschiedlichen Szene-Hass-Prediger lauschen.

Bier und Bratwurst, Pommes frites und Eis – all das darf zu diesem „Familienfest“ natürlich nicht fehlen. Aber: Sobald sich Journalisten für diese öffentliche Veranstaltung interessieren, ist es schnell vorbei mit Freundlichkeit und Transparenz. Was die Fachjournalistin Andrea Röpke über den Ablauf in diesem Jahr schildert (siehe Text oben), hat es in dieser oder ähnlicher Form bereits in der Vergangenheit immer wieder gegeben.

2015 hatten es Polizisten besonders häufig auf die Presseausweise einzelner Kollegen abgesehen und kontrollierten diese nahezu im Abstand weniger Minuten – wohlwissend, wen sie da vor sich haben.

Abgesehen davon wurde immer wieder verboten, das Gelände, das im vergangenen Jahr von außen noch einsehbar gewesen ist, zu fotografieren. In diesem Jahr führte das dazu, dass der Sportplatz – er ist weitläufig eingezäunt – von innen mit Transparenten zugehängt wurde.

Eskalation durch Platzverweise

Was aber gibt es eigentlich zu sehen, was nicht zu fotografieren wäre? Zahlreiche Verkaufsstände sind zu finden, an denen Kleidungsstücke angepriesen werden, die in der Szene nicht nur gern getragen sind, sondern die im ein oder anderen Fall auch justiziabel wäre. Das führte dazu, dass zahlreiche Stände abgehangen wurden, als die Journalisten im Vorjahr das Gelände betreten haben.

Denn ebenfalls 2015 führte der niedersächsische Neonazi Marco Bormann eine Gruppe Journalisten über das Gelände – in Polizeibegleitung. War das nun der Durchbruch für die Transparenz? Nein. Sobald die ersten Fotografen ihre Kameras von der Bühne abwendeten, um einige szenische Aufnahmen zu erstellen, wurden sie zurechtgewiesen und auch dieser Besuch musste abgebrochen werden – es führte allerdings damals nicht dazu, dass Journalisten Platzverweise bekamen. Das Fotografieren auf dem Wall am Rande des Sportplatzes, mithin die einzige Stelle, um das Rechtsrockkonzert zu dokumentieren, war in der Vergangenheit stets statthaft – nur diesmal reagierte die Polizei anders.

Vier Kollegen waren von der Maßnahme betroffen. Neben der bekannten und mehrfach ausgezeichneten Andrea Röpke mussten auch Journalisten aus Sachsen-Anhalt und Wismar den Bereich verlassen. In Sachsen-Anhalt arbeitet die Kollegin, das ergaben TLZ-Recherchen, für ein Online-Portal und gehört in dem Bundesland zu den Fachjournalisten. Die Kollegen aus Wismar wollten darüber berichten, welche Neonazis aus ihrer Region sich im Vorfeld der Landtagswahl bei Rechtsrockkonzerten aufhalten.

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