Bevölkerungsrückgang im Osten gestoppt

Erfurt/Jena  Der Bevölkerungsschwund in den fünf neuen Bundesländern scheint gestoppt. Zumindest zeichnet sich für Städte wie Erfurt, Dresden, Leipzig und Jena eine Trendwende ab. Ländliche Regionen werden allerdings weiter Strategien zur Ansiedlung benötigen.

Erfurt ist eine der Städte, die von der Trendwende bei Zu- und Abwanderung profitieren. Foto: Marco Kneise

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Mehr als zwei Jahrzehnte ist die Bevölkerung in Ostdeutschland geschrumpft. 1,8 Millionen Menschen verließen seit dem Mauerfall-Jahr 1989 die Regionen zwischen Rügen und Erzgebirge – zumeist gen Westen wegen Ausbildung und Arbeit. Dieser Trend ist nun offenbar gestoppt, wie eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zeigt.

„Seit 2012 ziehen die fünf Flächenländer im Osten mehr Menschen aus dem Westen oder dem Ausland an, als sie umgekehrt verlieren“, sagt Institutsleiter Reiner Klingholz. Von dieser Trendwende profitierten allerdings lediglich 15 Prozent der Kommunen, darunter insbesondere ostdeutsche „Leuchttürme“ wie Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt oder Potsdam, Rostock und Wismar. 85 Prozent der Gemeinden erlebten aber weiterhin mehr Ab- als Zuwanderung. Besonders in den ländlichen Regionen bleibe die Situation schwierig. „Das Gefälle zwischen den Wachstums- und Schrumpfregionen wird damit immer größer“, warnt Klingholz. Zu den Verlierern der Entwicklung gehören etwa Suhl, einst Bezirksstadt in der DDR, das sächsische Hoyerswerda oder Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt.

Vor allem Großstädte, aber auch kleinere Universitätsstädte wie Ilmenau ziehen vor allem junge Bildungswanderer an und ernten damit die Früchte des Aufbaus Ost, wie der Instituts-Direktor sagt. Mit guten Hochschulen und günstigen Lebenshaltungskosten in sanierten Gebäuden seien diese Städte zu neuen Magneten geworden.

Deutlich wird in der Studie auch, dass sich Flüchtlinge dauerhaft lieber in Städten ansiedeln. Bewohner und Verwaltungen in ländlichen Regionen müssten sich umso mehr „überlegen, wie sie Zuwanderer anziehen und vor allem langfristig halten können“, so Klingholz,

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