Der Bau der Gothaer Altstadtgalerie droht zu kippen

Der Bau der Altstadtgalerie droht zu kippen, bevor damit begonnen wird. In der ersten Marathonsitzung zur Abwägung von Anregungen und Bedenken des 40-Millionen-Euro-Projektes trafen Gothas Stadträte einige Entscheidungen, die Investor Saller nicht schmecken dürften.

Vorschläge für den Bau der Altstadtgalerie Gotha: Master-Studenten der Bauhaus-Uni Weimar stellen im Gothaer Rathaus Ergebnisse vor: Kristin Schieke (aus Gotha), Karl Eckert (aus Kalifornien) und Mehate Hassan Emon (aus Bangladesh/ v. li). Foto: Wieland Fischer

Vorschläge für den Bau der Altstadtgalerie Gotha: Master-Studenten der Bauhaus-Uni Weimar stellen im Gothaer Rathaus Ergebnisse vor: Kristin Schieke (aus Gotha), Karl Eckert (aus Kalifornien) und Mehate Hassan Emon (aus Bangladesh/ v. li). Foto: Wieland Fischer

Foto: zgt

Gotha. So beschloss der Stadtrat, dass der Heutalsweg zur Verkehrsanbindung erschlossen werden muss. Der 165 Meter lange Baukörper entlang der Gartenstraße soll versetzt werden, um den Baumbestand zu erhalten.

"Für uns sind das entscheidende Punkte", sagt Bärbel Schreyer (Freie Wähler). Der Investor habe im Vorfeld der Stadtverwaltung mitgeteilt, einer Erschließung des Heutalsweges und Rückversetzung nicht zuzustimmen. Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) ist das nicht bekannt: "Es gibt bis jetzt keine Stellungnahme des Investors dazu." Allein für den Ausbau des Heutalsweges, wie ihn die Polizei etwa fordert, wären geschätzte zwei Millionen Euro Zusatzkosten nötig.

Anbindung an Gartenstraße schwierig

Als schwieriges Unterfangen stellt sich die Anbindung der Gartenstraße dar. Eine vorgeschlagene Begrünung des Gleisbettes fand keine Mehrheit. Begründung: zu teuer. Ein anderer Punkt wurde mehrheitlich gebilligt. Im Bebauungsplan müsse die Gestaltung der Gartenstraße so geändert werden, dass bei Staus Verspätungen der Wald- und Straßenbahn vermieden werden können.

Die Abwägung im Stadtrat gestaltete sich Mittwochabend, 30. Januar, als langwieriges Prozedere. Bis 22 Uhr war noch nicht über alle Punkte abgestimmt worden. Das soll im Rahmen einer Sondersitzung geschehen. Die ist für Samstag, 9. Februar, 9 Uhr, anberaumt. Dann könnten auch Vorschläge aufgegriffen werden, die Studenten der Bauhaus-Uni Weimar dazu erarbeitet haben.

26 Masterstudenten des Instituts für europäische Urbanistik haben in einer mehrmonatigen Arbeit Vor- und Nachteile eines Centers für Gotha sondiert. Zentrale Frage dabei: Wie kann die Innenstadt vom Center profitieren? Die Ergebnisse stellten sie am Donnerstag, 31. Januar, vor.

Einbahnstraßen-Regelung als Lösungsvorschlag

Verkehrsregelung spielt in der Studie eine zentrale Rolle. Die Studenten schlagen als günstigste Lösung Einbahnstraßen-Regelung in der Garten- und Moßlerstraße vor. Eine gute Variante, schätzt Stadtplaner Roland Adlich ein. Diese sei aber im Vorfeld verworfen worden, wegen der Zusatzkosten und Emissionsbelastung für den dortigen Kindergarten und das angrenzende Wohngebiet. Das Gleisbett der Straßenbahn zu versetzen, bleibt nach Adlichs Ansicht Zukunftsvision.

Die Studenten regen an, den Übergang zwischen Center und Innenstadt im Bereich Luther- und Pfortenstraße als Grünzone zu gestalten. Das war im Vorfeld der Abwägung auch gefordert, aber nicht berücksichtigt worden, sagt Bärbel Schreyer. Ferner raten die Studenten, dem riesigen Block einem bis zu 15.000 Quadratmeter Grundflächen-Areal in der Innenstadt entgegenzusetzen, etwa den Buttermarkt als Gastronomiebereich oder eine Kulturachse. Mit dem Bau eines Jugendzentrums zwischen Garten- und Margarethenstraße, von Gaststätten, Wohnbereich am Gerberplatz sowie eines Sportcenters zwischen Brühl und Pfortenstraße könnten Bindeglieder zwischen Center und Altstadt entstehen.

Dass manche Punkte in der Abwägung gar nicht aufgenommen wurden, lässt Andreas Dötsch, stellvertretender Vorsitzender des Gothaer Gewerbevereins, zu der Feststellung gelangen, dass das Vorhaben "durchgepeitscht" werden soll. Er sei froh, dass der Stadtrat Rückgrat zeigt. Selbst wenn das Center nicht gebaut werden sollte, bleibe eine Frage: Was trägt zur Innenstadtbelebung bei?

Altstadtgalerie: Ein Gothaer Akt der Demokratie

Klage gegen Einrichtung der Erfurter Umweltzone

Plan-Werk-Stadt in Erfurt berät über Innenstadtanbindung