Disput um ältere Kläranlagen im Emsetal

Im Emsetal brodelt es. Nicht wegen des bevorstehenden Zusammenschlusses mit der Stadt Waltershausen, sondern wegen des Themas Wasser/Abwasser, insbesondere was den Anschluss an eine zentrale Kläranlage betrifft.

Bürgermeister Klaus Reißig ist sauer, weil die Schmerbacher und Wintersteiner neue Kläranlagen bauen sollen. Er fordert das Land auf, den Bestandsschutz für die alten Anlagen zu verlängern und die Trinkwasserschutzzone für das Emsetal aufzuheben. Foto: Conny Möller

Bürgermeister Klaus Reißig ist sauer, weil die Schmerbacher und Wintersteiner neue Kläranlagen bauen sollen. Er fordert das Land auf, den Bestandsschutz für die alten Anlagen zu verlängern und die Trinkwasserschutzzone für das Emsetal aufzuheben. Foto: Conny Möller

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Schmerbach. Seit den 1990er Jahren wird im Emsetal über einen Anschluss nach Langenhain und Fröttstädt - beides wurde vom Land verworfen und dafür Stedtfeld vorgeschrieben - diskutiert. Erfolgt ist bisher wenig. Einzig Teile von Fischbach, Schwarzhausen und Winterstein wurden bereits angeschlossen.

Das Problem ist nicht das Verlegen der notwendigen Kanalisation, sondern die Trinkwasserschutzzone 3, unter die das Emsetal seit dem 17. April 1980 untergeordnet ist. Denn hier gelten bestimmte Nutzungseinschränkungen, das betrifft Massentierhaltung, Sand- und Kiesgruben, Kläranlagen. Doch gerade letztere sind fast auf jedem Grundstück vorhanden und stammen zum größten Teil aus Vorwendezeiten. Und diese sollen nun durch sogenannte vollbiologische Kläranlagen ersetzt werden - natürlich zu Lasten der Hauseigentümer.

Vor geraumer Zeit hat der Wasser/Abwasser-Zweckverband Gotha und Landkreisgemeinden damit begonnen, in Schmerbach die bestehenden Kleinkläranlagen einer Ortskontrolle zu unterziehen. Wie Geschäftsführer Rainer Kohlmann bestätigte, sei der Zweckverband dazu laut Kleinkläranlagenverordnung verpflichtet. Das Endergebnis der Überprüfung erhält demnächst die Untere Wasserbehörde des Landkreises. Festgestellt wurde, dass viele Grundstückseigentümer weder eine Genehmigung für ihre Kläranlage vorweisen konnten beziehungsweise einen Antrag gestellt haben. Bei den Kläranlagen handelte es sich zumeist um Drei-Kammer-Anlagen, die zu DDR-Zeiten vorwiegend im ländlichen Bereich gebaut wurde, erklärt Kohlmann. Obwohl diese keinen Bestandsschutz mehr haben, gebe es diese zuhauf im Freistaat.

Betroffen sind etwa 300 Haushalte in Schmerbach und Winterstein, auf die nun ein erheblicher Kostenfaktor zukommt, weiß Bürgermeister Klaus Reißig (CDU). Ihren Unmut darüber haben die Schmerbacher kürzlich gemeinsam mit ihrem Bürgermeister in einer Bürgerversammlung gegenüber dem Zweckverband und der Wasserbehörde kundgetan. Denn fest steht: Wer in den nächsten fünf Jahren nicht angeschlossen ist, der muss eine biologische Kleinkläranlage bauen und auch selbst bezahlen. Reißig: "Hier werden die Leute in die soziale Armut getrieben."

Grund: Für eine vollbiologische Anlage müssen die Emsetaler fast 10.000 Euro - inklusive Umbau und Anschluss - aufbringen. Auch wenn die Kläranlage 15 Jahre Bestandsschutz hat, sind doch zweimal im Jahr Kontrollen durch den Zweckverband notwendig, die zusätzliche Kosten verursachen. "Wir haben in Schmerbach größtenteils Haushalte mit nur einer Person, die das Rentenalter bereits erreicht hat", sagt Klaus Reißig. Er macht für die Misere das Land Thüringen verantwortlich und fordert eine Verlängerung des Bestandsschutzes für die alten Kläranlagen in seiner Gemeinde.

Bürger nicht zweimal zur Kasse bitten

Das Argument des Landes zur Trinkwasserschutzzone, das diese notwendig für die Trinkwassergewinnung Eisenachs ist, kann Reißig nicht nachvollziehen. Er will deshalb die Aufhebung erwirken. "Das kann aber erst erfolgen, wenn ein Gutachten vorliegt", erklärt Kreisbeigeordneter Helmut Marx (SPD). Die Untere Wasserbehörde hat zudem den Zweckverband aufgefordert, eine Abwasserkonzeption zu erarbeiten. Bis dahin sieht der Landkreis keine Handhabe, in die laufenden Vorgänge einzugreifen. "Wir fordern, dass die Bürger nicht zweimal zur Kasse gebeten werden", sagt der Bürgermeister.

Seit zwei Jahren sind Mitarbeiter des Zweckverbandes im Verbandsgebiet unterwegs, um Bestandskontrollen vorzunehmen. Nach Ingersleben, Neudietendorf und Tabarz wurde jetzt das Emsetal einer Prüfung unterzogen. Kohlmann: Die Bewertung erfolge mit Hilfe eines Fragebogens über den Zustand der Anlage. "Wir wünschen uns eine längere Übergangsfrist vom Land." Doch sei der Zweckverband an Vorgaben gebunden.

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