Ein "Erlebnis- und Einkaufsquartier" soll in Gotha entstehen

Was sich in der ersten Stadtratssitzung des neuen Jahres etwas untergebuttert im Punkt 'Informationen aus dem Rathaus' versteckt, hat es in sich. Überraschung:

Von der Blockbebauung zur aufgelockerten Variante mit viel neuem Grün zwischen Stadtbad und Kino: Am Mittwoch präsentierte die Stadtverwaltung die neuen Baupläne für die Gartenstraße anhand eines Modells. Foto: Lutz Ebhardt

Von der Blockbebauung zur aufgelockerten Variante mit viel neuem Grün zwischen Stadtbad und Kino: Am Mittwoch präsentierte die Stadtverwaltung die neuen Baupläne für die Gartenstraße anhand eines Modells. Foto: Lutz Ebhardt

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Gotha. Der bislang favorisierte Einkaufsmonolith in der Gartenstraße soll dreigeteilt werden, anstelle des klobigen Einkaufszentrums Altstadtgalerie das "Erlebnis- und Einkaufsquartier Gartenstraße" entstehen. So bezeichnete es Klaus Schmitz-Gielsdorf (parteilos), 1. Beigeordneter der Stadt Gotha.

Er präsentierte neue Überlegungen zur umstrittenen Mall und stellte zugleich ein nagelneues Modell vor, das den Abgeordneten die Pläne auch visuell nahebringen soll.

Demnach rückt die Stadt nun ab vom Plan eines großen Baukörpers nach dem "Knochenprinzip", bekannt beispielsweise vom Thüringen-Park Erfurt. Die beiden dicken Knochen-Enden sollen in Gotha Stadtbad und das neu zu bauende Kino bilden. Auf der städtebaulichen Achse dazwischen könnte dann das Erlebnis- und Einkaufsquartier entstehen. Der "Knochen" wurde quasi städtebaulich transferiert.

Das neue Modell biete die Chance, die Gartenstraße zur durchgehenden Allee mit Ergänzungen zum vorhandenen Baumbestand auszubauen, so Klaus Schmitz-Gielsdorf. Dazwischen würden drei große Flächen für Fachmärkte angesiedelt. Auf diese Weise entstünde ein innerstädtisches Quartier mit der klassischen Mischung aus Wohnen, Einkaufen und Freizeit: die Fachmärkte mit Parkflächen und großzügigem Straßengrün zwischen Stadtbad und Kino auf der einen Seite, auf der anderen Seite der klassische Einzelhandel mit Übergang und Anbindung zur Innenstadt.

Wie die so aufgelockerte Bebauung umgesetzt werden kann, legte der Bürgermeister ebenfalls dar. Erster Schritt: die kurzfristige Baugenehmigung auf Grundlage des aktuellen Bebauungsplanes (B-Plan).

Zweiter Schritt: Überarbeitung des B-Planes auf Grundlage des neuen Konzeptes "Erlebnis und Einkaufsquartier Gartenstraße". Dritter Schritt: Genehmigung des zweiten B-Planes.

Konkret bedeutet das, dass im ersten Schritt 6.000 Quadratmeter überbaut werden und 213 Pkw-Stellplätze entstehen sollen und im zweiten 6.245 Qua­dratmeter mit weiteren 137 Pkw- sowie vier Bus-Stellplätzen, so dass am Ende 12.245 Quadratmeter zum Einkaufen zur Verfügung stehen würden, rund 3.000 Quadratmeter weniger, als bislang vorgesehen.

Als Hingucker im Quartier könnte sich Klaus Schmitz-Gielsdorf Windmodelle einer Gothaer Firma vorstellen, die damit erfolgreich am Markt ist. War aber nur mal erst so eine Idee, meinte er.

Dietrich Wohlfahrt (Freie Wählergemeinschaft) zeigte sich überrascht: Warum positioniert sich die Stadt jetzt anders, wollte er wissen. Innerhalb der Planung habe der Aufwand für damit verbundene infrastrukturelle Maßnahmen Rahmenbedingungen angenommen, die nicht mehr hinnehmbar gewesen seien. Die neue Variante reduziere die Komplexität des Vorhabens, beispielsweise hinsichtlich der Straßenführung, so der 1. Beigeordnete.

Die Bedenken vieler Bürger gingen ja auch nicht an der Stadtverwaltung vorbei, ergänzte Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD). Die Welt verändere sich, der Internethandel komme, resümierte er und gab noch mal das Ziel aus: "Wir wollen eine Gesamtlösung für die Gartenstraße."

Wahrscheinlich werde man auch hinter der neuen Variante nicht alle Bürger versammeln , so der Oberbürgermeister. Er hoffe aber, dass es mehr als bisher ­seien.

Dietrich Wohlfahrt wollte noch wissen, was aus dem Gedenkort für die Synagoge wird. Knut Kreuch: In Zusammenarbeit mit der jüdischen Landesgemeinde soll "eine ansprechendere Lösung als jetzt gefunden werden". Das sei fest eingeplant und werde finanziell auch umgesetzt.

Kerstin Götze-Eismann, Fraktionschefin der CDU, konnte sich mit den neuen Plänen anfreunden. Sie warnte allerdings davor, eine kritische Größe beim Einkaufsquartier zu unterschreiten. Es verliere sonst an Attraktivität. Zudem mahnte sie eine gute fußläufige Verbindung in die Altstadt an - am besten über die Pfortenstraße.

Die neuen Pläne könnten ihm schon gefallen, sagte Bernd Fundheller (Linke). Insbesondere deswegen, weil er darin in­tegriert sieht, was durch die ­Bürgerbeteiligung in der Diskussion eingebracht wurde. Er sieht die alten Pläne "entschärft": "Das könnte so genehmigt werden."

Vera Fitzke (Linke) wünscht sich sozialen Wohnungsbau ins Quartier. Ob der nicht integrierbar sei?

"Nein", so die kurze Antwort von Klaus Schmitz-Gielsdorf. Wohnen würden Menschen in einer Stadt wie Gotha nicht gern über Verkaufsobjekten, sondern doch wohl lieber im Grünen.

Bärbel Schreyer (Freie Wählergemeinschaft) bleibt skeptisch. Für sie ist das noch allzu sehr ein "Stochern im Nebel". Auf ihre Frage, ob ein Beschluss über die neuen Pläne angesichts der diesjährigen Kommunalwahlen noch in der alten Legislaturperiode erfolgen soll, antwortete Klaus Schmitz-Gielsdorf zunächst ausweichend. Man plane auf jeden Fall sehr kurzfristig, sagte er.

Auf eine Nachfrage von ihr wurde er konkreter: Ein Beschluss werde wohl nicht mehr in dieser Legislatur fallen. Da vergehe sicher noch mindestens ein Dreivierteljahr.

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