Erfurter Studenten debattieren bei Simulation „Model United Nations“

Andreasvorstadt  Da Terrorgruppen global agieren und vor Landesgrenzen keinen Halt machen, müssen die Vereinten Nationen gemeinsam gegen sie vorgehen. Wie dies auf politischer Ebene aussehen kann, haben fünfzehn Studenten der Universität Erfurt nun ganz direkt erfahren. Im tschechischen Olomouc diskutierten sie in der UN-Simulation „National Model United Nations“ mit rund achtzig weiteren Studenten, wie internationale Strategien der Terrorismusbekämpfung aussehen könnten.

Lukas Marschallek, Veronika Klinger und Miriam Schütz gehören zu den Uni-Studenten, die in Tschechien an einer Simulation der UN- Generalversammlung teilnahmen. Dieses Jahr wurde die Erfurter Delegation mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Foto: Martin Moll

Lukas Marschallek, Veronika Klinger und Miriam Schütz gehören zu den Uni-Studenten, die in Tschechien an einer Simulation der UN- Generalversammlung teilnahmen. Dieses Jahr wurde die Erfurter Delegation mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Foto: Martin Moll

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Sie recherchierten Hintergrundinformationen, erarbeiteten Resolutions-Entwürfe und fassten schließlich diverse Beschlüsse – alles unter realistischen Bedingungen. Redebeiträge in der Generalversammlung durften dabei nicht fehlen: auf Englisch, vor bis zu hundert weiteren Staatsvertretern. Viele der studentischen Kollegen reisten aus den USA an, andere aus Kanada oder aus Japan. „Ein wenig Überwindung kostet es zunächst schon, vor so vielen Leuten zu sprechen“, gibt Lukas Marschallek (22) zu. „Doch das haben wir gut hinbekommen – und überhaupt ist die Simulation eine tolle Gelegenheit, um Einblicke in die Abläufe der Vereinten Nationen zu bekommen.“

Eine Besonderheit des Planspiels ist, dass die Studierenden nicht das eigene Land vertreten. Einige der Erfurter Teilnehmer sprachen in Olomouc für Serbien, Litauen und den Sudan. „Folglich muss man sich mit den anderen Ländern intensiv beschäftigen, um ihren Standpunkt zu verstehen und diesen dann vertreten zu können“, sagt Veronika Klinger (23). „Trotz interkultureller Differenzen und verschiedener politischer Standpunkte, muss eine gemeinsame Lösung erarbeitet werden“, fasst Miriam Schütz (21) das „Model United Nations“ zusammen.

Wieso auch bei Themen, bei denen sich im Grunde genommen alle Staaten einig sind, bisweilen monatelang verhandelt wird, können die Studenten nun besser verstehen. „Es geht schließlich um viele Einzelheiten – und da sind die Interessenlagen manchmal doch recht verschieden“, sagt Veronika Klinger. „Deshalb kann es lange dauern, bis ein Kompromiss gefunden ist.“ Die Reise nach Tschechien habe sich jedenfalls sehr gelohnt, sind sich die Uni-Studenten einig. Einige reisten bereits ein paar Tage früher an, um im benachbarten Polen die KZ-Gedenkstätte in Auschwitz zu besuchen – auch dies gemeinsam mit Studenten aus anderen Ländern.

Inzwischen bereiten sich die nächsten Erfurter Nachwuchspolitiker auf die bevorstehende Erfurter „MUN“-Konferenz vor. Vom 15. bis 17. Januar 2015 wird im historischen Sitzungssaal des Rathauses nicht nur die Generalversammlung simuliert, sondern auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

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