Erfurter Studenten greifen ins Weltgeschehen ein

Andreasvorstadt  ...

Carolin Zenker, Christopher Pridat und Franzi Hildebrandt (von links) studieren an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt. Aber auch Kommilitonen ganz anderer Fachrichtungen können beim „Model United Nations“ mitmachen. Foto: Martin Moll

Carolin Zenker, Christopher Pridat und Franzi Hildebrandt (von links) studieren an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt. Aber auch Kommilitonen ganz anderer Fachrichtungen können beim „Model United Nations“ mitmachen. Foto: Martin Moll

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Für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ interessiert sich Christopher Pridat derzeit besonders – aus libanesischer Sicht. Der 20-Jährige ist einer von 21 Uni-Studenten, die das Seminar „Model United Nations“ (MUN) belegen und in den kommenden Monaten so einiges vor haben.

Nächsten Mittwoch geht‘s nach Passau, im November nach Tokio und Kobe. In allen Städten simulieren Studenten aus verschiedenen Ländern die Arbeit der Vereinten Nationen. Genauer gesagt: die Arbeit verschiedener Komitees.

Dabei warten allerlei Aufgaben auf die Erfurter. Allen voran die Fremdsprache. „Alles ist auf Englisch, das ist natürlich eine Herausforderung“, sagt Carolin Zenker (21), die einige Tage lang in die Rolle des britischen Außenministers schlüpft, um die Balkankrise zu bewältigen – die aus dem Jahr 1878. Folglich wälzt sie derzeit Bücher, um sich den historischen Hintergrund anzulesen und dementsprechend die Position Großbritanniens angemessen vertreten zu können.

Zumeist aber geht‘s bei der „Model United Nations“-Simulation um brandaktuelle Themen. So beschäftigt sich Franzi Hildebrandt (20) mit der Sicherheit in Megastädten. Normalerweise studiert sie Internationale Beziehungen und Philosophie; bald aber wird sie als chinesische Abgeordnete auftreten, um die Interessen Pekings durchzusetzen. So gut es denn geht.

„Wenn es in Millionenstädten Erdbeben gibt, wenn Tsunamis drohen oder Terroranschläge verübt werden, betrifft das nicht nur ein einzelnes Land“, erklärt sie, wieso dieses Thema auch die Vereinten Nationen beschäftigt. „Internationale Richtlinien müssen entwickelt werden, damit schnell gehandelt werden kann – zum Beispiel, wenn humanitäre Hilfe nötig ist.“

Um in einer globalisierten Welt gemeinsam auf Probleme reagieren zu können, sei viel Verhandlungsgeschick nötig, betonen die Seminarteilnehmer. Diskutieren, Kompromisse finden, Resolutionen verabschieden ... „Wenn man das alles durchspielt, versteht man, wieso der Weg zu einer UN-Resolution ganz schön lang sein kann“, sagt Franzi Hildebrandt. Umso interessanter sei der Ansatz, bei der UN-Simulation nicht das eigene, sondern ein anderes Land zu vertreten. So wachse das Verständnis für andere Sichtweisen.

Neben dem interkulturellen Austausch und dem Englischtraining werden im Projekt auch präzises Schreiben und Verhandlungsgeschick trainiert, sagt Sarah Duryea vom Erfurter MUN-Organisationsteam. Damit sich mehr Studenten die Exkursionen leisten können, sind Sponsoren gern gesehen. Wer sich das „Model United Nations“-Prinzip in Erfurt ansehen möchte, hat vom 14. bis 17. Juli die Gelegenheit dazu: Dann wird in Seminarräumen des Doms debattiert. Studentengruppen aus Frankreich, Ghana, Afghanistan und Finnland haben sich schon angemeldet.

Doch nun steht die Fahrt nach Passau bevor. Die Teilnehmer der Universität Erfurt sind gut vorbereitet. So hat Christopher Pridat, der als libanesischer Delegierter über den „Islamischen Staat“ verhandeln wird, nicht nur an seinen rhetorischen Fähigkeiten gefeilt. Auf dem Programm stand zudem ein Seminar zur gewaltfreien Kommunikation.

www.uni-erfurt.de/mun

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