Friedenspodium Weimar: "Welt ohne Waffen ist möglich"

Krieg, Militär, Waffen: All das passe nicht ins 21. Jahrhundert, sie gehörten abgeschafft. Davon ist die Weimarer Initiative "Welt ohne Waffen" überzeugt. Anlässlich des Weltfriedenstages am Sonntag laden deren Mitglieder zu einem Friedenspodium ins Weimarer Kulturzentrum Mon Ami ein.

Professor Olaf Weber moderiert das Podium zum Weltfriedenstag am 1. September in Weimarer Kulturzentrum Mon Ami. Foto: Maik Schuck

Professor Olaf Weber moderiert das Podium zum Weltfriedenstag am 1. September in Weimarer Kulturzentrum Mon Ami. Foto: Maik Schuck

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Weimar. Unsere Zeitung sprach mit dem Moderator der Veranstaltung, Professor Olaf Weber. Der ehemalige Inhaber eines Lehrstuhls für Ästhetik an der Bauhaus-Uni wünscht sich in den kommenden Jahren weitere "Welt ohne Waffen"-Friedenspodien.

Herr Professor, wozu brauchen wir ein Friedenspodium? Was erwartet die Gäste?

Wir haben es hier mit einem aktuellen und zugleich zeitlosen Thema zu tun. Aktuell ist natürlich der möglicherweise bevorstehende Militäreinsatz der USA in Syrien. Doch darum sollte es nicht vorrangig gehen.

Sondern?

Wichtiger ist mir die Frage, wie man Kriegsgefahren in Zukunft reduzieren und Kriege verhindern kann. Und wie an deren Stelle friedliche Mittel der Konfliktbewältigung treten. Es ist doch so: Wir schlittern von Krise zu Krise - vom Kosovo über Afghanistan und Irak bis Syrien. Wenn das militärische Denken weiter so dominant ist, kann die Kette von militärischen Interventionen nicht gestoppt werden. Ich habe den Eindruck, dass das Abrüstungsinteresse im Moment nicht sehr hoch ist.

Was müsste geschehen?

Die Politik müsste handeln, Abrüstung wichtig nehmen und darauf Acht geben, dass internationale Verträge nicht durchlöchert werden. Die Rüstungskontrolle müsste verstärkt, Rüstungsexporte reduziert und abgeschafft werden. Denn meist landen die Waffen in den falschen Händen. Wenn es einen großen Friedenswillen gäbe, könnte schon in 30 bis 40 Jahren das Militärwesen abgeschafft sein. Die Aufsicht über ein Netzwerk aus internationalen Abrüstungsverträgen hätte dabei die Uno.

Aber der aktive Frieden beginnt im Kopf. Kriege und Militär gehören nicht ins 21. Jahrhundert - das Jahrhundert der Menschenrechte. Kriege liegen in ihrem Wesen außerhalb der modernen Zivilisation, weil unschuldige Menschen (auch die gegnerischen Soldaten) umgebracht werden. Es wird keine individuelle Schuld nachgeprüft.

Ist eine Welt ohne Waffen nicht utopisch?

Man muss sich große Ziele setzen. Natürlich wird es nie eine Welt ohne Konflikte geben. Nur dürfen diese nicht mit militärischen Mitteln ausgetragen werden. Die Polizei als gewaltbereite Ordnungsmacht ist im Gegensatz zum Militär nötig. Sie trennt die wahrscheinlich Unschuldigen von den wahrscheinlich Schuldigen, die vor Gericht gebracht und vielleicht verurteilt werden. Im Krieg ist das nicht der Fall.

Was halten Sie von der Meinung, dass Waffengänge nötig sind, um Frieden zu schaffen oder Menschenleben zu retten?

Das ist ein echtes Dilemma. Ist ein militärischer Konflikt einmal ausgebrochen, kann man nur helfen, die Spirale der Gewalt zu unterbrechen. In Syrien gab es erst einen Schießbefehl, dann Scharmützel bewaffneter Gruppen, dann Kriegsverbrechen auf allen Seiten, jetzt einen wahrscheinlichen Giftgaseinsatz. Ein Angriff von außen wäre die nächste Eskalationsstufe, die nicht die letzte wäre und viele Menschenleben kosten würde. Deshalb halte ich einen solchen Schritt für falsch. Die Lösung kann nur in Verhandlungen zwischen der Regierung und der syrischen Opposition liegen, um die islamistischen Extremisten auszuschalten. Die Verantwortlichen für den Chemiewaffeneinsatz müssen streng bestraft werden - am besten vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Friedenspodium Weimar: Sonntag, 1. September, 19 Uhr, Kulturzentrum Mon Ami

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