Gedenkstätte Buchenwald in Weimar bereitet sich auf 69. Jahrestag der Befreiung vor

69 Jahre ist es her, dass das KZ Buchenwald befreit wurde. Heute blickt die Gedenkstätte voller Sorge auf die aktuelle Politik in Ungarn

Partner in der Bildungsarbeit: das Thillm und die Gedenkstätte. Andreas Jantowski (links) und Volkhard Knigge unterzeichneten am Mittwoch einen Kooperationsvertrag. Foto: Maik Schuck

Partner in der Bildungsarbeit: das Thillm und die Gedenkstätte. Andreas Jantowski (links) und Volkhard Knigge unterzeichneten am Mittwoch einen Kooperationsvertrag. Foto: Maik Schuck

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Weimar. Éva Pusztai vereint Vergangenheit und Gegenwart: Wenn am kommenden Wochenende der Befreiung Buchenwalds gedacht wird, geht es nicht allein um die Vernichtung ungarischer Juden vor 70 Jahren. Auch die aktuell Politik unter Ministerpräsident Viktor Orbán, der erstarkte Antisemitismus sowie die anhaltende nationalistische Nostalgie werden von diesem Donnerstag an zur Sprache kommen.

Éva Pusztai, 1925 in Debrecen im Osten Ungarns geboren, hat Auschwitz und Buchenwald überlebt und wird zu jenen 30 ehemaligen Häftlingen sowie Angehörigen und Hinterbliebenen gehören, die von Donnerstag an in Weimar erwartet werden. "Wir sind schwer beunruhigt über die Situation in Ungarn", sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Professor Volkhard Knigge. Knigge und Pusztai nehmen an einer Veranstaltung des Imre-Kertész-Kolleg an der Friedrich-Schiller-Universität teil, bei der es im Mon Ami um die aktuelle Politik gehen wird. Zudem wird Pusztai am Freitag mit der bündnisgrünen Politikerin Katrin Göring-Eckardt Gedenkworte sprechen. Etwa 8000 ungarische Juden waren 1944 nach Buchenwald gebracht worden.

Neben dem Widerstand und der Befreiung Buchenwalds sowie der Vernichtung der ungarischen Juden seit Sommer 1944 steht die Erinnerung an jene 169 alliierten Flieger im Mittelpunkt, die im August 1944 mit Tausenden Franzosen nach Buchenwald deportiert wurdenGleichwohl die Soldaten nur zwei Monate in dem Konzentrationslager auf dem Ettersberg gewesen seien, stehe auch deren Geschichte für die "elementare Menschenfeindlichkeit", betonte Knigge. Es sei eine Verletzung des Völkerrechts gewesen, Kriegsgefangene der West-Alliierten in ein Konzentrationslager einzuweisen. Wenn am Sonntag ein Gedenkstein für die Soldaten eingeweiht wird, sind Ed Carter-Edwards aus Kanada sowie drei Veteranen aus den USA mit von der Partie.

Die historisch-politisch-ethische Bildungsarbeit sei die Zukunft der Gedenkstättenarbeit, erklärte Volkhard Knigge. Im geht es dabei um das "Lernen aus der menschenfeindlichen Geschichte, damit der Menschenfeind nicht das letzte Wort hat". Schon deshalb unterzeichneten Knigge und der Direktor des Institutes für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, Andreas Jantowski, einen neuen Kooperationsvertrag, mit dem die Zusammenarbeit in der historisch-politischen Bildungsarbeit fortgeführt wird. Längst hätten Rechtsextreme die Schulhöfe als Betätigungsfeld erkannt, weshalb Lehrer in der Verantwortung stünden, so Jantowski.

Knigge bestätigte, dass die Vorbereitungen zum 70. Jahrestag der Befreiung begonnen hätten. Nach dem 65. Jahrestag solle auch dieser wieder in größerer Form begangen werden. "Es wird definitiv der letzte Jahrestag sein, an dem wir mit einer nennenswerten Anzahl von Überlebenden rechnen können", betonte Knigge.

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