Hasse warnt vor Google Classroom im Online-Unterricht

Erfurt.  Datenschützer: Das mitlaufende Programm analysiere, welche Informationen ausgetauscht werden. „Das heißt: Die lesen mit.“

Thüringens Datenschützer Lutz Hasse begrüßt die Digitalisierung an Schulen, aber warnt vor Datenmissbrauch.

Thüringens Datenschützer Lutz Hasse begrüßt die Digitalisierung an Schulen, aber warnt vor Datenmissbrauch.

Foto: Fabian Klaus / Mediengruppe Thüringen

Die Corona-Krise wird gezwungenermaßen zu einem Digitalisierungsschub an den Schulen führen. Diese positiven Auswirkungen auf den Unterricht begrüßt auch Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse. „Das ist eine tolle Sache“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung, fügt aber hinzu: „Wenn es sicher ist.“

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Nicht jeder Informationsaustausch zwischen Lehrern und Schülern ist dabei geeignet. „So etwas sollte man natürlich nicht über WhatsApp machen. Das ist rechtswidrig“, sagt Hasse. WhatsApp lese die Teledateien aus und übermittle sie an Facebook. Es gebe andere Messengerdienste, die sicher seien.

Auch welche Server genutzt werden, spielt eine wichtige Rolle. Wenn die Server Verbindungen in die Vereinigten Staaten oder in sonstige Staaten außerhalb der Europäischen Union hätten, rät Hase davon ab. Gerade in den USA hätten die Nachrichtendienste Zugriff auf die Server selbst, wenn sie im Ausland stehen. Es gebe inzwischen ausreichend Kapazitäten innerhalb der EU, die in Anspruch genommen werden könnten.

Google liest mit

Hasse warnt ausdrücklich davor, „Google Classroom“ im Unterricht zu nutzen. „Ich halte das für datenschutzrechtlich für sehr bedenklich.“ Das bei der Nutzung der Plattform mitlaufende Programm Googlemail analysiere das, was dort ausgetauscht werde. „Das heißt: Die lesen mit: Und es fließen Daten zu Google“, verdeutlicht Hasse. Zudem müssten die Schulen einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Unternehmen abschließen, in dem genau geregelt werde, was mit den Daten gemacht werde. Über all das müssten die Eltern umfänglich informiert werden. „Und wenn sie das wären, dürften sie eigentlich nicht einwilligen. Ich würde es jedenfalls als Elternteil nicht tun“, betont Hasse.

Bei der richtigen und sicheren Nutzung sieht Hasse in der Digitalisierung an Schulen unabhängig von Corona mehr Nutzen als Schaden. Zum Beispiel wenn Wissen bei Unterrichtsausfällen alternativ online vermittelt wird. „Damit die Schüler, die dann allein im Klassenraum sitzen, nicht zum zehnten Mal Harry Potter“ gucken müssen“, sagt der Datenschützer.

Google widerspricht der Darstellung Hasses. Die personenbezogenen Daten würden im Rahmen des vereinbarten Verhältnisses zur Auftragsdatenverarbeitung streng nach Weisung der Schule und alleine zur Erbringung der betreffenden Dienste verarbeitet. “Die Daten werden nicht zu eigenen Zwecken von Google verwendet“, teilt das Unternehmen mit.

In Thüringen sei nach der Einschätzung der eigenen Datenschützer ein Einsatz der betreffenden Lernsoftware auch unter dem Landesschulgesetz denkbar. „Eine gesonderte Einwilligung der Eltern ist dazu nicht erforderlich, wobei wir eine umfassende Information der Eltern ausdrücklich unterstützen“, so ein Sprecher.