In Weimar entsteht Ortsverband der Partei "Die Partei"

Schmierige Anzüge und Themen, die vor allem populistisch sein müssen: Das Unterirdische in der Politik hat die Partei "Die Partei" zum Programm erklärt. Akteure aus der Region haben dem Ortsverband jetzt eine Botoxspritze verpasst.

"Die Partei" hat sich in Weimar neu gegründet. Im Bild: Niklas Hüttner, der stellvertretende Ortsvorsitzende Oliver Kröning, der Vorsitzende Tino Ranacher, Schatzmeister Maik Gramatte, der Landesvorsitzende Eggs Gildo und Jan Stein. Foto: Thorsten Büker

"Die Partei" hat sich in Weimar neu gegründet. Im Bild: Niklas Hüttner, der stellvertretende Ortsvorsitzende Oliver Kröning, der Vorsitzende Tino Ranacher, Schatzmeister Maik Gramatte, der Landesvorsitzende Eggs Gildo und Jan Stein. Foto: Thorsten Büker

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Weimar. Kopf oder Zahl? Schon die Frage, wer Parteivize oder Schatzmeister werden soll, wird ganz demokratisch per Münze entschieden. Maik Gramatte, bislang glückloser Vorsitzender des Verbandes, darf nun Kassierer sein, während Oliver Kröning als Vize und Tino Ranacher als Vorsitzender das Triumvirat komplettieren. Selten zuvor war Demokratie so einfach.

"Die Partei" - 2004 im Umfeld des Satiremagazins "Titanic" gegründet - lässt sich vielleicht als satirische Parodie oder parodistische Satire abhaken, was die Truppenteile um den Bundesvorsitzenden Martin Sonneborn nicht daran hindert, echte Politik zu machen. Sie treten bei Wahlen an und gehen anderen Parteien gehörig auf den Wecker.

"Wir springen auf jeden Zug breitwillig auf", erklärte Eggs Gildo (44), Erfurter Künstler und Landesvorsitzender. Natürlich: Auch die Thüringer frohlocken, wenn Sonneborn schwadroniert, die Mauer müsse wieder aufgebaut werden. "Wir lieben unser Land so sehr, dass wir gerne zwei davon hätten", meinte Tino Ranacher, mit 19 Jahren weit davon entfernt, jemals die knisternde Erotik eines FDJ-Hemdes auf der Haut gespürt zu haben. Der Tonndorfer, der in diesem Jahr sein Studium beginnen will, ist seit dem Männertag neuer Vorsitzender der Partei (steht für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative). Und weil die Partei nicht nur bei der Landtagswahl mit einer eigenen Liste antreten will, sondern auch Weimar zur Kommunalwahl im kommenden Jahr beglücken will, ringen die Mitglieder um spezifische Inhalte. "Diese Stadt hat drei Probleme, wir wollen sie lösen", sagte Oliver Kröning.

Kröning will den Herzog zurückhaben

So gebe es zu wenige Klassiker. Nicht hinnehmbar sei es, dass Wieland und Herder ein eigenes Denkmal hätten, während ausgerechnet Goethe und Schiller sich den Sockel teilen müssten. Kröning will den Herzog zurückhaben (es gab ein goldenes und silbernes Zeitalter, danach ging es steil bergab) und kriminelle Erfurter künftig aus der Kulturstadt Weimar abschieben lassen.

Ein selbst gestecktes Ziel etwas älterer Natur ist, den Inhaber von mehreren Kaufhallen in Weimar zu enteignen. "Wir fordern 20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung. Und ich will dort endlich mit meiner Thoska-Karte einkaufen können", sagte Maik Gramatte. Mit seinem schwarzen Binder fällt er an diesem Abend aus dem Rahmen. Alle anderen tragen rote Krawatte und ein blaues Hemd. "Ein schmieriger Wahlkampf ist uns wichtig", meinte Gildo. Auch darin will man sich nicht von anderen Parteien unterscheiden.

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