Jenas Uni-Präsident will mit rebellischen Tutoren sprechen

Jena  Mehrere studentische Hilfskräfte hatten sich in einem offenen Brief über ihre Arbeitsbedingungen beschwert – jetzt will auch ein Politiker aktiv werden.

Walter Rosenthal, Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Walter Rosenthal, Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Foto: Peter Michaelis

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Wer bisher Zweifel an der Wirksamkeit offener Briefe hatte, wird jetzt eines Besseren belehrt. Mehrere studentische Hilfskräfte der Universität Jena haben sich auf diesem Weg über ihre Arbeitsbedingungen beschwert – und werden nun gehört. Als Reaktion auf ihre Klage will der Präsident der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena, Walter Rosenthal, mit den Unterzeichnern jenes Briefs sprechen, die seiner Hochschule unter anderem vorwerfen, sie schlecht und ungerecht zu bezahlen. Rosenthal habe den sogenannten Tutoren ein Gesprächsangebot gemacht, sagte ein Sprecher der Universität gestern der TLZ.

Auf die vorgebrachte Kritik wollte der Sprecher derzeit nicht im Details eingehen. „Vor diesem Gespräch ist nur so viel zu sagen: Die Ausgestaltung von Tutoren-Verträgen wird zwischen dem Hochschullehrer beziehungsweise der Hochschullehrerin und dem Studierenden vereinbart, dafür existieren keine zentralen Vorgaben – wobei das zur Verfügung stehende Budget natürlich gedeckelt ist“, erklärte er. Gleichzeitig kündigt er an, die FSU werde prüfen, wie Tutorien ausgestaltet seien – auch wenn die Art und Weise, wie die Universität das tue, „gängige Praxis an den deutschen Hochschulen ist“.

Mehrere Tutoren – also studentische Hilfskräfte – hatten sich in einem Schreiben an Rosenthal über die Bedingungen beschwert, unter denen sie für die Hochschule arbeiten. Als Tutoren unterstützten sie den Lehrbetrieb an der Uni durch zusätzliche Lerneinheiten zu Seminaren, Vorlesungen oder Übungen für andere Studenten, schreiben sie in dem Brief. „Das tun wir unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen.“

Zeitlich befristet und nur zum Mindestlohn

Beispielsweise hätten fast alle von ihnen nur auf die Vorlesungszeit, also für etwa vier Monate, befristete Verträge. Auch erhielten sie für ihre Leistungen nur den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro brutto pro Stunde oder – für den Fall, dass sie bereits einen Bachelor-Abschluss hätten – 9,70 Euro brutto pro Stunde. Zudem erhielten manche von ihnen nur die reine Lehrzeit vergütet, nicht aber ihren Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung der Lehre. „Dabei ergibt sich ein realer Stundenlohn von teilweise unter vier Euro pro Stunde“, heißt es in dem Brief.

Das Schreiben und die TLZ-Berichterstattung darüber haben zudem auch den CDU-Bundestagsabgeordneten Tankred Schipanski zum Handeln veranlasst. Er werde bei der Hochschulrektoren-Konferenz nachfragen, ob es einheitliche Richtlinien für die deutschen Hochschulen gebe, wie diese mit Tutoren und wissenschaftlichem Personal umzugehen hätten, sagte er gestern.

Er sei davon überzeugt, dass es zwar in Ordnung sei, mit studentischen Hilfskräften befristete Werkverträge zu schließen, solange diese noch keinen ersten Hochschulabschluss – also in der Regel den Bachelor-Abschluss – hätten. Wer einen solchen Abschluss vorzuweisen habe, der müsse seiner Überzeugung nach aber regulär bei der Universität angestellt werden, sagte er. Das sei auch die Idee des vom Bund unlängst verschärften Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Es dürfe nicht sein, dass über Werksverträge dieses Gesetz unterlaufen werde. Schipanski ist Mitglied des Bildungsausschusses des Bundestags.

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