Journalist und SED-Aufklärer Hans-Joachim Föller ist tot

Meiningen  Der Thüringer Journalist und Politikwissenschaftler Hans-Joachim Föller aus Meiningen, ist am 26. Februar 2016, nur wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag verstorben. Der Journalist Thomas Purschke schreibt über das Leben seines Kollegen.

Hans-Joachim Föller aus Meiningen ist tot. Er wurde nur 57 Jahre alt. Foto: Lukas Schulze

Hans-Joachim Föller aus Meiningen ist tot. Er wurde nur 57 Jahre alt. Foto: Lukas Schulze

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Thüringer Journalist und Politikwissenschaftler Hans-Joachim Föller aus Meiningen, ist am 26. Februar 2016, nur wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag verstorben.

Geboren am 1. März 1958 in Schlüchtern, wuchs Hans-Joachim Föller in Hessen auf, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Geschichte. Nach dem Abschluss und dem Zeitungsvolontariat in Hessen folgte 1992 der Umzug nach Thüringen, wo er die nach dem Mauerfall wiedererlangte Pressefreiheit mit konsequenter Arbeit als Redakteur der neugegründeten „Südthüringer Zeitung“ in Bad Salzungen und Schmalkalden sowie im Anschluss beim ehemaligen SED-Bezirksorgan „Freies Wort“ in Suhl vielfach belebte und wichtige Akzente setzte.

Der einstige, langjährige Chefredakteur der „Südthüringer Zeitung“, Berthold Dücker, erklärte tief betroffen: „Hans-Joachim Föller war einer der wenigen mutigen Aufklärer der DDR-Diktatur, der sich nicht einschüchtern ließ. Seine Unabhängigkeit zeichnete ihn aus. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust.“ Sein Motto war: „Sagen, was ist“, ein Zitat des Bürgerrechtlers Jürgen Fuchs. Seit 1998 arbeitete Föller als freier Journalist u.a. für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Süddeutsche Zeitung“, „Die Welt“, „Rheinischer Merkur“, „Das Parlament“, „TAZ“, „Tagesspiegel“, wobei die Darstellung der Folgen der SED-Diktatur einen großen Schwerpunkt bildete. Seine investigativen Recherchen und Artikel waren oft wegweisend, seine Analysen klar und deutlich. Vor allem die Opfer des SED-Regimes und der Nazi-Diktatur lagen ihm am Herzen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb am 29. Februar u.a. über den Verstorbenen: „Föller machte sich als Publizist vor allem um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte verdient und zeichnete insbesondere den Einfluss der SED und der Stasi auf den Journalismus nach.“ Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, erklärte: „Hans-Joachim Föller hat in aufklärerischer Intention die Rechtfertigungskonstruktionen von Verantwortungsträgern der SED-Diktatur durchleuchtet. Er löste damit oft heftige Kontroversen und damit einhergehend wertvolle Erkenntnisprozesse aus. Er fehlt uns.“

Hans-Joachim Föller war sehr belesen, beschäftigte sich viel mit guter Literatur. Beleg dafür sind auch seine zahlreichen Rezensionen, die in über- und regionalen Zeitungen erschienen sind sowie im „Deutschlandfunk“ und „Deutschlandradio Kultur“ zu hören waren. Er stand in Kontakt mit vielen Schriftstellern und Bürgerrechtlern. Stellvertretend für viele sei da der Publizist Udo Scheer aus Stadtroda genannt. Mit der Schriftstellerin und Regisseurin Freya Klier aus Berlin verband ihn ebenso eine enge Freundschaft, auch wegen der gemeinsamen Aktivitäten im Bürgerbüro Berlin, einem Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur. Der Kälte und Ignoranz der zahlreichen Verharmloser der Diktaturgeschichte sowie der einstigen Verantwortlichen begegnete er mit fundierten Fakten und Belegen. Auch für die Quartals-Zeitschrift der Geschichtswerkstatt Jena, „Gerbergasse 18“, schrieb er seit vielen Jahren. Durch seine zahlreichen Veröffentlichungen hat sich Hans-Joachim Föller auch bei vielen seiner Journalisten-Kollegen eine Menge Respekt und Achtung erworben. Jüngeren Kollegen gab er gerne wertvolle Hinweise.

Zudem war Föller ein gefragter und fachlich versierter Moderator und Referent bei verschiedenen politischen Stiftungen und Institutionen u.a. bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Point Alpha-Stiftung, beim Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen. An der Volkshochschule Meiningen leitete er die Gesprächsreihe „Platons Erben - Forum für Philosophie“. Und auch die vielfältigen Kulturangebote interessierten ihn und seine Frau Anne sehr. So besuchten sie in all den Jahren viele Veranstaltungen, Museen und Ausstellungen. Vom MoMA in New York bis zum Meininger Theater.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren