Klare Kante: Knapper als es aussieht

Nils R. Kawig zur Sonntagsfrage für Thüringen.

Nils R. Kawig

Nils R. Kawig

Foto: Peter Michaelis

Wie ein laues Sommerlüftchen wirkt die neueste Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa Consulere. Ihr zufolge wäre nach einer Landtagswahl alles wie früher: Rot-Rot-Grün hätte eine eigene Mehrheit, die CDU wäre vor der AfD Oppositionsführerin – und die FDP wieder draußen. Abgesehen von den Freien Demokraten könnten wohl alle Parteien mit diesem Ausblick zufrieden sein. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, wie gespalten die Gesellschaft ist.

Denn genau genommen hat sich wenig verändert, seit die Thüringer das letzte Mal in die Wahllokale gerufen wurden. Abgesehen von der Linken, die seit Oktober vergangenen Jahres 4 Prozentpunkte zulegen konnte und weiterhin von ihrem populären Ministerpräsidenten mitgerissen wird, hat sich bei den anderen Parteien mitunter nur die Stelle hinterm Komma verändert. Zugegeben, bei Grünen und FDP macht das viel aus. Da geht es mitunter ums politische Überleben – im Landtag oder eben außerhalb des Parlaments. Und genauso wie die zwei kleinen Parteien – oder sind es mit der SPD sogar drei? – liefern sich CDU und AfD ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei hinter der Linken.

Im Moment hat die CDU die Nase vorn. Allem Anschein nach scheint für die Christdemokraten die Rechnung aufzugehen, dass sie als konstruktiver Partner der Minderheitsregierung zwar wichtige Vorhaben mit auf den Weg bringen, sich andererseits aber nicht vereinnahmen lassen.

Unterm Strich bleibt es aber eng zwischen den politischen Lagern. Gehen mehr konservative Wähler zur Wahl, kann es durchaus passieren, dass auch der nächste Landtag aus sechs Parteien bestehen und die Regierungsbildung so schwierig wie beim letzten Mal wird. Insofern wäre die aktuelle Umfrage kein Sommerlüftchen, sondern nur die Ruhe vor dem Sturm.

Umfrage: Mehrheit für Rot-Rot-Grün in Thüringen

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