Klare Kante: Parteitag der Missmutigen

Elmar Otto über den Zustand der Thüringer CDU.

Elmar Otto

Elmar Otto

Foto: Andreas Wetzel

Am Ende klafften Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinander. Und dafür bekam Christian Hirte die Quittung. Nur rund drei Viertel der Delegierten wählten ihn zum neuen CDU-Chef. Weil der 44-Jährige ohne Gegenkandidat antrat, darf man das gerne als Misstrauensvotum werten.

Einiges hat sich der neue Vorsitzende der Thüringer CDU dabei selbst zuzuschreiben. Bis in die Nacht vor dem Parteitag gab es nur wenige Eingeweihte, die über seine neue Präsidiumsmannschaft Bescheid wussten. Die Vergabe bedeutsamer Ämter glich einem Verschiebebahnhof. Viel zu lange blieb unklar, wer nun Generalsekretär oder Schatzmeister werden sollte.

Das rächte sich.

Auch dass Hirte sich nicht zur Spitzenkandidatur äußerte, ging nach hinten los. Dabei hätte er nach den vielen Besuchen an der Basis wissen müssen: Mitglieder kaufen nicht gerne die Katze im Sack.

Die alleinige Schuld am miserablen Gesamtbild der Partei trägt Hirte aber nicht allein.

Der personelle Neustart ging auch deshalb in die Hose, weil viele Anhänger von Ex-Chef Mike Mohring mit Hirte, Fraktionschef Mario Voigt und Co. noch eine Rechnung offen haben. Eine ehemalige christdemokratische Führungskraft nannte als Motive „Rache, Genugtuung, Sicherung der eigenen Position oder vorausschauende Positionierung für Berlin 2021“.

Besser kann man es kaum zusammenfassen.

Von Geschlossenheit und Teamgeist ist bei der Thüringer CDU derzeit nichts zu merken. Dieser Parteitag der Missmutigen sorgt sicher für vieles, nur nicht für Rückenwind. Aber gerade der wäre mit Blick auf die Landtagswahl 2021 so wichtig gewesen.

Die politische Konkurrenz wird den Zustand der selbsternannten konstruktiven Opposition mit Interesse zur Kenntnis nehmen.