Neue Nazis aktiv in Eisenach

Eisenach  Die Vereinsspitze der Rollgemeinde Eisenach war entsetzt. Am vergangenen Wochenende wurde der Schriftzug „NJ Eisenach-Wartburgkreis“ in großen Lettern auf eine Rampe im Skaterpark gemalt.

Die Handschrift der rechtsextremen „Nationalen Jugend“ (NJ) an einer Rampe des Skaterparks in Eisenach. Foto: Rollgemeinde

Foto: zgt

Für diese Aktion waren die Täter über den Zaun geklettert, weiß Rollgemeinde-Vorsitzender Mario Reinhardt. Wer genau hinter dieser NJ-Gruppe steckt, wissen die Mannen um Mario Reinhardt nicht. Es gibt Vermutungen. Auch die Polizei hat diese Gruppierung mittlerweile auf dem Schirm, erfuhren die „Roller“, als sie die Anzeige gegen unbekannt aufgaben.

Für die Rollgemeinde ist der Schriftzug deshalb so fatal und Antiwerbung, da sich hinter der NJ (Nationale Jugend) Eisenach-Wartburgkreis eine Gruppe rechtsradikaler Jugendlicher verbirgt, die sich zwei Wochen zuvor auf dem Eisenacher Karlsplatz (mit drei Personen) und am Parkhaus an der Sophienstraße mit Aktionen in Szene gesetzt hatten. Drei schwarz gekleidete junge Leute (Kapuzenshirts, Bermudashorts) mit weißen Gesichtsmasken hatten an einem Baum ein Schild auf einem schwarzen Lattenkreuz mit dem Text aufgestellt: „Zum Gedenken an die von Fremden ermordeten Deutschen. Den Verbliebenen zur Mahnung“ – eine fremdenfeindliche Aktion, an der sich bundesweit Neonazis beteiligten. Das Ordnungsamt entfernte die Installation.

Später hängten Mitglieder ein Banner mit dem Schriftzug wie im Skaterpark an das Parkhaus Hinter der Mauer. Michael Lemm, Gewerkschafter und Mitglied im Eisenacher Bündnis gegen Rechts, nahm das beschriftete Laken ab und übergab es beim jüngsten Treffen des Bündnisses der Polizei.

Welch Geistes Kind die Mitglieder des NJ sind, zeigt sich bei einem Blick auf ihre Facebookseite, wo deutlich wird, dass sie rechtsradikale, ausländerfeindliche und rassistische These propagieren. Phrasen wie „Antideutschen keine Chance geben“ oder „Unsere Stadt lehnt Linke ab“ sind dort zu finden, auch Hitlerzitate und gewalttätige Rhetorik. Eisenachs NPD-Stadtratsmitglied Patrick Wischke publiziert auf seiner Politiker-FB-Seite die Fotos der Masken-Aktion am Karlsplatz und bewirbt die rechte Jugendvereinigung. Wie radikal und rechtsex­trem die NJ ist, lässt sich durch einen Link auf ihrer Facebook-Präsenz auf eine Neonazi-Internetseite erkennen.

Was dort von Menschen aus der Neonazi-Szene publiziert wird, ist für Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts und andere am Rande des Legalen. Texte wie „Mut zur Endlösung der Judenfrage“, zu Rassismus, Faschismus, fragwürdigen Kriegstheorien und Beiträge aus dem rechtsgerichteten Kopp-Verlag sind zu lesen. „Da wird man auch rechtswidriges Material finden“, sagt Felix Steiner von der Initiative mobile Demokratisierung (Mobit).

NJ bedient den aktionistischen Teil

„Seit dem verfehlten Einzug in den Landtag ist insgesamt wieder eine Radikalisierung der Szene zu beobachten. Dies gilt besonders auch für Eisenach“, so Steiner. Die neue Neonazi-Jugendorganisation bediene eher den aktionistischen Teil: „Damit wird natürlich auch die Präsenz der neonazistischen Szene in Eisenach deutlicher nach außen getragen und der soziale Raum besetzt. Gleichzeitig nehmen Übergriffe in Eisenach wieder zu. Eisenacher berichten sowohl von Gewalt als auch von rassistischen Pöbeleien in der Stadt“, informiert Steiner. Dass eher von einer Ausweitung der Aktivitäten dieser Szene auszugehen sei, sei beunruhigend, auch „weil die extrem rechte Szene in Eisenach über fest eta­blierte Strukturen verfügt“.

Der Verfassungsschutz könne die „tatsächliche organisatorische wie personelle Untersetzung der NJ“ noch nicht abschließend beurteilen, spricht aber von einer klar rechtsextremistischen Ausrichtung.

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