Proteste gegen erste Thügida-Kundgebung in Erfurt

Erfurt  Mehrere Hundert Erfurter haben sich gestern Abend vor einer Flüchtlingsunterkunft in der Ulan-Bator-Straße für „Willkommensgrüße statt Hassbotschaften“ ausgesprochen; darunter Mitglieder verschiedener Stadtratsfraktionen sowie mehrere Dutzend Studenten. Währenddessen zogen etwa zweihundert Demonstranten unter dem Motto „Thügida – Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes“ durch den Stadtteil.

No Thügida – Für ein buntes Thüringen – Gegen Rassismus und Islamophobie“ gingen am gestrigen Montagabend hunderte Menschen in Erfurt auf die Straße. Foto: Holger John

No Thügida – Für ein buntes Thüringen – Gegen Rassismus und Islamophobie“ gingen am gestrigen Montagabend hunderte Menschen in Erfurt auf die Straße. Foto: Holger John

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Abschnitte der Nordhäuser, Moskauer und Bukarester Straße waren zwischen 17.30 und 22 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. „Die Zahl der Thügida-Anhänger blieb weit unter der angemeldeten Teilnehmerzahl von 500“, sagte ein Polizeisprecher. Mit einem Großaufgebot sicherte die Polizei beide Demonstrationen im Erfurter Norden.

In die Nähe des Hauses, in dem Flüchtlinge leben, kam der Protestzug nicht. Überwiegend junge Thüringer aus dem linken Spektrum blockierten die Wege von beiden Seiten, die Polizei verzichtete auf eine Räumung. Bei der Thügida-Kundgebung traten mehrere Redner aus dem Umfeld der NPD auf. Anders als die Organisatoren der Pegida-Demonstrationen in Dresden, hetzen sie offener gegen Flüchtlinge und Deutsche mit Migrationshintergrund gleichermaßen. Auf Internetseiten wird ein in Franken geborener Verfassungsrichter mit deutscher Mutter und türkischem Vater ebenso als Beispiel für eine vermeintliche Islamisierung aufgelistet wie Meldungen aus dem Polizeibericht mit tatverdächtigen Zuwanderern oder Zeitungsberichte über Flüchtlingsunterkünfte. Hinzu gesellten sich gestern die Sorge vor der „Vernichtung des deutschen Volkes“ und offener Antiamerikanismus.

Die Thügida-Anmelder beabsichtigen, an den kommenden Montagen jeweils in einer anderen Stadt des Freistaates „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ zu demonstrieren. Anwohner beobachteten das abendliche Treiben gestern vom Balkon. Einige pfiffen, andere applaudierten – viele schüttelten den Kopf.

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