„Pseudodiplom“? Stura, Linke und Grüne kritisieren Diplom in Ilmenau

Erfurt/Ilmenau  Studenten, die sich in Ilmenau für Elektrotechnik oder Maschinenbau einschreiben, sollen die Wahl zwischen Diplom und Bachelor beziehungsweise Master haben. Linke und Grüne im Thüringer Landtag kritisieren die Eile, von einem „Pseudodiplom“ ist die Rede.

Die aktuell rund 6800 Studenten zählende TU würde die Diplomstudiengänge gerne schon im Wintersemester 2016/17 anbieten, zuvor müssen aber Studienpläne und die erforderlichen Satzungen durch die Hochschule erarbeitet und die Rechtsverordnung durch das Ministerium erlassen werden. Symnbolfoto: Swen Pförtner/dpa

Die aktuell rund 6800 Studenten zählende TU würde die Diplomstudiengänge gerne schon im Wintersemester 2016/17 anbieten, zuvor müssen aber Studienpläne und die erforderlichen Satzungen durch die Hochschule erarbeitet und die Rechtsverordnung durch das Ministerium erlassen werden. Symnbolfoto: Swen Pförtner/dpa

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Die Technische Universität plant, die neuen je 10-semestrigen ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge im Rahmen eines zunächst sechsjährigen Modellversuches anzubieten. Dadurch sollen Haupt- und Nebenfach selbstbestimmt kombiniert und auch artfremde Fächer ausgewählt werden können. „Ein Techniker kann beispielsweise im Nebenfach Japanistik studieren, wenn ihm dies für seine berufliche Karriere in Asien dienlich erscheint“, heißt es aus dem Haus von Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Während ihres Studiums könnten mindestens zwei und höchstens vier Semester im Ausland eingelegt werden. Ein Fachpraktikum oder die Diplomarbeit ließen sich ebenfalls im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes realisieren. Am Ende erhielten die Studenten den international anerkannten Diplom-Grad mit Berufs­bezeichnung „Diplom-Ingenieur“. Gleichzeitig werde ihnen die Gleichwertigkeit mit dem Masterabschluss bescheinigt.

„Das ist ein zusätzliches Angebot, das die Ingenieurausbildung in Ilmenau stärken und zusätzliche Studierende nach Thüringen locken kann“, sagte Tiefensee gestern, nachdem er einen Antrag der TU genehmigt hatte, um „kurzfristig die Rechtsgrundlage für die neuen Studiengänge zu schaffen“.

Vorwurf: Vorhaben wegen des Zeitrahmens überstürzt

Auch Uni-Rektor Peter Scharff freute sich darüber, rund 15 Jahre nach der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen wieder das Diplom im Angebot zu haben. „Damit geben wir jungen Männern und Frauen die Freiheit, mit ihrem Studium die eigene Zukunft auf die persönlichen Bedürfnisse abzustimmen”, betonte er.

Die aktuell rund 6800 Studenten zählende TU würde die Diplomstudiengänge gerne schon im Wintersemester 2016/17 anbieten, zuvor müssen aber Studienpläne und die erforderlichen Satzungen durch die Hochschule erarbeitet und die Rechtsverordnung durch das Ministerium erlassen werden.

Auf weniger Gegenliebe stoßen die Pläne indes bei Teilen der Studenten. „Das Vorhaben ist wegen des Zeitrahmens überstürzt und dadurch die Qualität der neuen Studiengänge nicht sicherzustellen“, so die Sprecherin des Studierendenrates, Franziska Chuleck. Die Einführung eines Elite-Diploms entwerte die Bachelor-Master-Abschlüsse.

Auch Linke und Grüne im Thüringer Landtag kritisieren die Eile, von einem „Pseudodiplom“ ist die Rede. Die SPD-Abgeordnete Eleonore Mühlbauer kann die Kritik der Koalitionspartner allerdings nicht nachvollziehen. „Ich würde mir einfach etwas mehr Aufgeschlossenheit für neue Ansätze wünschen“, sagte sie der TLZ.

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