Quo vadis Uni Erfurt? Kanzler befürchtet Stellenstreichungen ab 2015

Einen weiteren Ausbau der Universität Erfurt werde es nach dem Jahr 2015 nicht geben: Bestenfalls könne der Stand gehalten werden, schlimmstenfalls sei mit Stellenstreichungen und damit einer Verringerung des Studienangebots zu rechnen. Zu dieser Einschätzung - realistisch, nicht pessimistisch - gelangt Kanzler Dr. Michael Hinz, wenn er in die Uni-Zukunft schaut und dazu die Landesfinanzlage in den Blick nimmt.

Kanzler Dr. Michael Hinz geht von sinkender Finanzausstattung der Uni Erfurt aus. Dann drohen Stellenstreichungen und ein reduziertes Studienangebot. Foto: Alexander Volkmann

Kanzler Dr. Michael Hinz geht von sinkender Finanzausstattung der Uni Erfurt aus. Dann drohen Stellenstreichungen und ein reduziertes Studienangebot. Foto: Alexander Volkmann

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Erfurt. Anfangs dank ihres einmaligen Studenten-Professoren-Schlüssels besonders attraktiv, sei die Erfurter Uni mit ihren 5500 Studierenden in einigen Fächern bereits "vermasst" und nähere sich in anderen bedrohlich dem Durchschnitt an, sagt Hinz.

Schon jetzt finanziere sich die Uni mit ihren 440 besetzten Stellen zu einem guten Teil aus Rücklagen und Sondermitteln. Mehr als vage seien derzeit die Informationen aus dem zuständigen Ministerium, wie es um die wohl zwangsläufig schlechteren finanziellen Rahmenbedingungen der Thüringer Hochschulen nach 2015 aussieht. Dennoch sei auch die Erfurter Uni durch Kultusminister Christoph Matschie aufgefordert, einen Entwicklungsplan für die Jahre bis 2020 vorzulegen.

Liegen diese von allen Thüringer Hochschulen vor, soll daraus ein Papier für ganz Thüringen entstehen. Von unten nach oben, neudeutsch "Bottom-Up", wünscht sich Minister Matschie die Entstehung dieses Konzepts - und findet für dieses Vorgehen in Erfurt wenig Verständnis. "Wir müssten wenigstens ein Gefühl dafür bekommen, wo das Land hin will", so der Kanzler Dr. Hinz. Und ohne finanzielle Eckpunkte sei das ganze Konzept kaum mehr als ein Stochern im Nebel.

Schon jetzt habe die noch jung wiederbelebte Erfurter Universität "das eine oder andere Studienangebot gestrichen", so Hinz. Wer da, wie zuletzt CDU-Generalsekretär Mario Voigt, spannende Projekte wie die Idee von einer Thüringer Online-Universität ins Gespräch bringe, der müsse wissen, dass dies nicht aus dem vorhandenen Budget realisierbar sei. Wenn aber ein zweistelliger Millionenbetrag zur Verfügung gestellt werde, sei die Erfurter Uni gern zur Teilnahme und Mitwirkung bereit, sagt der Uni-Kanzler.

Wie aber lassen sich geringer werdende Landesmittel ausgleichen? Kooperation auf dem "Campus Thüringen" lautet dabei ein Schlagwort. Mit der Erfurter Fachhochschule laufe diese bereits seit Jahren und sehr gut, sagt Hinz. Beispiel Lehramtsausbildung: Hier holen sich die Studierenden der Uni an der Fachhochschule praktisches Wissen im Fachbereich Restaurierung für den Kunstunterricht oder für die Waldpädagogik bei den angehenden Forst-Mitarbeitern. Um die Kooperation insgesamt auf eine Grundlage zu stellen, sei ein Vertrag dazu zwischen Uni und FH mit ihren insgesamt etwa 10.000 Studierenden in Vorbereitung.

Ganz praktisch gebe es diese schon im Verwaltungsbereich. Mit Einführung der Dopik gibt es für beide Erfurter Hochschulen einen gemeinsamen Mitarbeiter für die Umsetzung dieses Haushaltssystems. Perspektivisch könne es auch ein gemeinsames Liegenschaftsmanagement geben. Kooperiert werde bereits im Hochschulsport, bei Ringvorlesungen und nicht zuletzt im Marketing - hier mit der Stadt als drittem Partner im Boot. Kosten zu sparen, das sei auch im Bereich der Bibliotheken und in Form eines gemeinsamen Rechenzentrums denkbar - über Erfurt hinaus. Wobei die FSU Jena dabei eher Risiken statt Chancen sähe. Auch hier nimmt Hinz den Minister in die Pflicht: Er müsse die Zusammenarbeit nicht nur erbitten, sondern anmahnen. Den Rest erledige wohl der steigende Leidensdruck - auch in Jena.

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