Ramelow im TLZ-Live-Chat - Großes Interesse an Linke-Spitzenkandidaten

Landtagswahlkampf im Live-Format: Das hat es in Thüringen so noch nicht gegeben. Mit einem Live-Chat mit dem Fraktionschef der Linkspartei, Bodo Ramelow, eröffnete die TLZ gestern die Reihe von Chats mit den Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien.

Bodo Ramelow im Live-Chat: TLZ-Onlinekoordinatorin Jeanette Miltsch mit dem Spitzenkandidaten der Linkspartei. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Weimar. "Die TLZ hat mit dieser Premiere heute Maßstäbe gesetzt", so Ramelow nach dem einstündigen Chat mit den TLZ-Lesern.

Das Interesse an dem Live-Format war so groß, dass auch nicht alle Fragen beantwortet werden konnten. Das Spektrum reichte von der Bildungspolitik bis hin zur Verwaltungs- und Gebietsreform. Es meldete sich beispielsweise der Ortsteilbürgermeister einer Einheitsgemeinde und fragte nach den Plänen der Linkspartei zur Mindestgröße von Gemeinden. Ramelow sprach sich gegen eine starre Regelung aus, weil die immer nur zu Umgehungstatbeständen führe. Eindringlich warb er für mehr Eigenständigkeit in den Dörfern und Ortsteilen. Die Dorfbewohner sollten beispielsweise selbst bestimmen können, wie die Friedhofssatzung aussehe oder ob es ein Gemeinde-Backhaus gebe. Auch über die allgemeine Ortssatzung sollten die Bürger das letzte Wort haben. Entscheidungen aber über ein Bürgerservice-Büro sollten an leistungsfähige hauptamtliche Strukturen geknüpft sein, so Ramelow.

Ramelow machte sich im TLZ-Live-Chat auch für eine Verwaltungsreform stark, die Abschaffung der mittleren Verwaltungsebene und danach eine Kommunalreform mit dem Ziel, leistungsfähigere Kommunen zu schaffen.

Klare Worte fand Ramelow zur finanziellen Situation Geras. Alle Oberbürgermeister hätten das Finanzproblem der Stadt ­ignoriert sagte er. Notwendig sei jetzt eine Neuordnung der Finanzen und eine Sanierung der Stadtwerke. Dazu gehörten alle Tatsachen auf den Tisch. Und dann müsse gemeinsam mit dem Land nach einer Lösung gesucht werden. Der Linksfraktionschef schlug vor, die Stadtwerke aus der Insolvenz herauszuführen, was derzeit noch gehe, dann einen professionellen Sanierer einzusetzen und harte Maßnahmen zu ergreifen. "Es leuchtet mir nicht ein, warum man in diesen Stadtwerken noch einen Flugplatz betreibt", so Ramelow.

Auch die Flughafenbetreibergestellschaft ist mittlerweile insolvent. Außerdem verstehe er nicht, warum man ein gutes Schienensystem nicht gemeinsam mit den Nachbarn betreibe. Bei der Theaterfinanzierung müsse der Kreis Greiz mit in die Pflicht genommen werden.

Der nächste Live-Chat findet am Montag, 14. Juli, statt. Gast ist dann die SPD-Spitzenkandidatin Heike Taubert.

Linke Mehrheit im neuen Thüringer Landtag ist wahrscheinlich

SPD fühlt sich durch Umfrage bestätigt: 'Wir können die Linke überholen'

Rot-rote Annäherung: Gabriel plant in Thüringen den Tabubruch

Zum Nachlesen: Der Live-Chat mit Bodo Ramelow

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.