Gericht stoppt Vera Lengsfelds Zeitung „Der Wahlhelfer“

Jena/Berlin  Rechtsextremismusforscher Matthias Quent aus Jena zufrieden: Erwarte eine persönliche Entschuldigung

Vera Lengsfeld (Archiv-Bild)

Vera Lengsfeld (Archiv-Bild)

Foto: Alexander Volkmann

Die vielfach als verkappte AfD-Werbung wahrgenommene Postwurfzeitung „Der Wahlhelfer“, für die die Thüringer Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld verantwortlich zeichnet, darf nicht mehr verteilt werden. Mit dieser Entscheidung gab das Landgericht Berlin am Freitag einer Unterlassungsklage des Extremismusforschers Matthias Quent aus Jena Recht. Quent hatte sich gegen eine Falschbehauptung von Lengsfeld in der Zeitung gewehrt, die kurz vor der Landtagswahl an 500.000 Haushalte in Thüringen verteilt worden war.

„Eine persönliche Entschuldigung von Frau Lengsfeld ist das Mindeste, was ich nun erwarte“, sagte der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) unserer Zeitung auf Anfrage. Denn Frau Lengsfeld habe seine Reputation als Wissenschaftler in Abrede gestellt, indem sie in „Der Wahlhelfer“ schrieb, Quent habe keinen Quellenbeleg für seine Behauptung genannt, der Münchener Massenmörder S. habe sich zur AfD bekannt.

In Wahrheit belegt Quent seine Aussage in einer Fußnote sehr wohl, und zwar mit Verweis auf ein Gespräch mit den Eltern des Massenmörders, das er führte. So sei nach Einschätzung des Vaters die politische Ideologie des Sohnes „sehr an dem Gedankengut der AfD orientiert“ gewesen.

Quent kritisiert den „Wahlhelfer“ grundsätzlich. Es handele sich um eine „Zeitung, die faktisch die AfD unterstützt.“ In mehreren Beiträgen der kostenlosen Postwurfzeitung werde suggeriert, die AfD sei die „einzige Alternative“. Seriöse Medien und etablierte Parteien würden verunglimpft. „Eine Wahlwerbung für die AfD ist eindeutig herauszulesen“, sagte Quent.

An AfD-Parteichef Björn Höcke lassen die Autoren des „Wahlhelfers“ hingegen kein gutes Haar. Lengsfeld schreibt, sie sei überzeugt, dass Höcke unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ Artikel für eine NPD-Zeitung geschrieben habe. „So lange die AfD Höcke in ihren Reihen hat“, notierte Lengsfeld, „wird sie sich den Vorwurf, nationalen Sozialisten eine Heimstatt zu bieten, gefallen lassen müssen.“ Allerdings sei es unredlich, wegen Höcke alle Mitglieder und Wähler der Partei zu Rechtsradikalen zu erklären.

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