Schloss Reinhardsbrunn: 20.000 Euro für Sicherungsarbeiten

Das Ultimatum ist abgelaufen. Der russische Eigentümer von Schloss Reinhardsbrunn hat die vom Landratsamt gestellte Frist verstreichen lassen und nichts zur Sicherung der Schlossgebäude und des Parks unternommen. Dafür setzen sich nun die "Mühlen der Verwaltung" in Gang.

Beim Arbeitseinsatz im Park von Schloss Reinhardsbrunn: Christfried Boelter. Nun stehen weitere Arbeiten an. Die Klosterlinde ist umgestürzt. Nach Ablauf des Ultimatums an den Schloss-Eigentümer kann der Kreis Sicherungsarbeiten in Auftrag geben. Foto: Wieland Fischer

Beim Arbeitseinsatz im Park von Schloss Reinhardsbrunn: Christfried Boelter. Nun stehen weitere Arbeiten an. Die Klosterlinde ist umgestürzt. Nach Ablauf des Ultimatums an den Schloss-Eigentümer kann der Kreis Sicherungsarbeiten in Auftrag geben. Foto: Wieland Fischer

Foto: zgt

Friedrichroda. In und um Schloss Reinhardsbrunn hat sich dennoch was bewegt - zum Leidwesen der Freunde, die das herrschaftliche Anwesen vor dem Verfall retten wollen. Einer der ältesten Bäume im Schlosspark, die Klosterlinde, ist vergangene Woche umgeknickt, berichtet Andreas Paasch vom Vorstand des Schloss-Fördervereins.

Ins Kavaliershaus ist zum wiederholten Mal eingebrochen worden. Ein am Haus angebrachtes Hirschgeweih ließen die Diebe mitgehen. Beides ist dem Zustand geschuldet, dass die wechselnden Besitzer von Schloss Reinhardsbrunn das Areal verwahrlosen lassen - trotz mehrfacher Proteste und Aufforderungen seitens der Behörden.

"Wir sind über die Diebstähle informiert worden und haben sie angezeigt. Mehr dürfen wir gar nicht tun", beschreibt Monika Siede, geschäftsführende Beamtin der Stadt Friedrichroda, die Befugnisse der Kommune. Selbst wenn Bäume im Schlosspark umfallen, habe die Stadt keine Handhabe.

800 Jahre alte Klosterlinde

Bei der Klosterlinde handele es sich um einen uralten Baum, sagt Andreas Paasch. Aufzeichnungen besagen, dass dieser mehr als 550 Jahre alt war. Ein Schild an der Klosterlinde datierte deren Alter gar auf 800 Jahre. Mehrere Faktoren seien zusammengekommen, dass die Klosterlinde nun umgebrochen ist: schweres Blätterwerk, der wegen des lang anhaltenden Regens aufgeweichte Boden und eine Windböe.

Zudem hätte die Linde längst mal wieder beschnitten werden müssen, sagt Andreas Paasch. Darauf habe schon im vorigen Jahr der frühere Schlosspark-Gärtner und Naturbeauftragte Friedrichrodas, Udo König, aufmerksam gemacht. Seit etwa zwei Jahrzehnten sei der Baum nicht mehr gestutzt worden. Der war von seiner ursprünglichen Größe, etwa 30 Meter, durch Bruch halbiert worden. Dass nun der gesamte Baum so schnell umstürzt, habe niemand gedacht.

Die Reinhardsbrunn-Freunde wollen Ersatz schaffen. Zum Elisabeth-Tag, am Sonntag, 25. August, werde eine neue Klosterlinde gepflanzt, möglichst an gleicher Stelle, habe deren Vorsitzender Christfried Boelter angekündigt. Andreas Paasch: "Wir wollen damit ein Zeichen setzen." Jetzt liegt der Stamm im Park und muss weggeräumt werden. Wer das bewerkstelligt, ist noch offen - wegen des vagen rechtlichen Zugriffs.

20.000 Euro für Sicherungsarbeiten

Den hat sich jetzt der Landkreis verschafft. Nach Ablauf des Ultimatums kann nun die Behörde zum Zug kommen, um den weiteren Verfall zu stoppen. Seitens des Schlosseigentümers, dessen Firmensitz sich im mittelamerikanischen Steuerparadies Belize befinden soll, habe es keine Reaktion gegeben, sagt Andrea Jäschke, Sprecherin des Landratsamtes. Die Kreisverwaltung habe nun Aufträge für die Sicherungsarbeiten an Dächern ausgeschrieben. Andrea Jäschke: "Jetzt müssen wir das selber in die Hand nehmen."

Mitte Juni sollen die Sicherungsarbeiten beginnen. Nach erster Schätzung hält der Landkreis dafür 20.000 Euro bereit. Ob der Kreis das Geld jemals vom momentanen Eigentümer wiederbekommt, ist fraglich. Kreisbeigeordneter Helmut Marx (SPD): "Das Geld setzen wir in den Sand." - Wenigstens zum Erhalt von Schloss Reinhardsbrunn soll es dienen.

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