Seit einem Jahr Oberbürgermeister in Gera: Julian Vonarb und seine weiteren Pläne

Gera  Oberbürgermeister Vonarb ist seit einem Jahr im Amt. Er will mit seiner unabhängigen Stadtpolitik den Menschen neue Perspektiven vermitteln.

„Die Menschen wissen oft gar nicht, welche positiven Alleinstellungsmerkmale unsere Stadt auf vielen Gebieten hat.“ Julian Vonarb, Oberbürgermeister in Gera

„Die Menschen wissen oft gar nicht, welche positiven Alleinstellungsmerkmale unsere Stadt auf vielen Gebieten hat.“ Julian Vonarb, Oberbürgermeister in Gera

Foto: Ulrike Kern

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Seit einem Jahr hat Gera mit Julian Vonarb einen neuen Oberbürgermeister. Er hat sich seinerzeit gegen einen AfD-Bewerber durchgesetzt. Vonarb hat sich fest vorgenommen, Gera aus den schwierigen Zeiten herauszuführen, die hier schon Jahrzehnte andauern.

Vonarb sagt, er fühle sich „nicht als Politiker, sondern als der, der von den Menschen in dieser Stadt im vergangenen Jahr ein starkes Mandat bekommen hat, Gera anders zu gestalten als die Jahre zuvor“. Und Von­arb meint, dass schon jetzt einen Stimmungswechsel geschafft zu haben bei vielen „Gerschen“. Und dies, obwohl im Stadtrat seit der jüngsten Kommunalwahl Ende Mai die AfD mit fast 30 Prozent vertreten ist.

Vonarb war früher mal in der CDU und ist dann als parteiloser Kandidat angetreten gegen die damalige Amtsinhaberin Viola Hahn (parteilos), die von der CDU unterstützt wurde. Die parteipolitische Unabhängigkeit ist ihm wichtig: „Auf kommunaler Ebene ist das ein signifikanter Vorteil“, sagt er. Unabhängig bedeute für ihn: „Ich kann auf alle Parteien, Fraktionen und Wählervereinigungen, mit denen ich im Stadtrat zusammenarbeite, zugehen, ohne dass der Grundreflex eintritt: Der ist ja aus einer anderen politischen Richtung“, erläutert der OB.

Geraer können stolz auf ihre Stadt sein

Vonarb hat einen festen Standpunkt: „Ich stehe für Recht und Gesetz. Das ist die Grundlage für das Miteinander in einer Gesellschaft.“ Sein Versprechen an den Stadtrat und die Bürger: „Ich handle immer nur in der Sache.“ Er stelle sich bei jedem Sachverhalt, den er in den Stadtrat einbringe ebenso wie bei jeder Entscheidung, die Frage: „Warum ist das gut für unsere Stadt?“ Und dabei blicke er nicht nur auf die nächsten ein, zwei Jahre. „Mein Blick umfasst ein oder zwei Dekaden“, erläutert er. Vorausschauend solle die Stadt handeln und sich dafür Mitstreiter suchen, so wie jüngst bei der Frage des Rückkaufs von Wohnungen. „Ein nicht unwahrscheinliches Szenario ist, dass wir wieder wachsen“, erläutert er einen der Gründe, warum die Entscheidung des Landes in dieser Hinsicht gut für Gera sei.

Die Erfahrungen, die Vonarb in seinem ersten Jahr als OB machen konnten, bestätigen ihn darin, auf dem richtigen Weg zu sein. Es sei durchaus nicht so, dass er, weil er ohne Parteibindung ist, auf Landes- und Bundesebene ausgegrenzt werde. „Ich gehe pro-aktiv mit den Handelnden in den Dialog.“ Das heißt: Er zeige seinen Weg, seine Konzepte und Pläne auf, klopfe ab, was gehe und was schwierig sei. Bisher habe das sowohl mit der Landesregierung, den Landesministerien als auch mit den beiden Bundestagsmitgliedern für Gera geklappt, die der CDU und der SPD angehören.

Vonarb sagt, die Geraer können stolz auf ihre Stadt sein: „Wir sind bei der Zusammenarbeit von Kindergartenträgern und Stadt bundesweit Spitze. Wir sind bei Sport und Ehrenamt im Vergleich zu anderen Städten unserer Größe sensationell gut aufgestellt. Wir haben eine hohe Vereinsdichte im sportlichen Bereich und betreiben als Stadt knapp 90 Sportstätten...“, nennt er einige Beispiele von Alleinstellungsmerkmalen, die selbst vielen Geraer Bürgern nicht bekannt seien.

Gefühl des Abgehängt­seins überwinden

Zudem gebe es im kulturellen Bereich viel Lobenswertes, sagt Vonarb, allem voran das Fünf-Sparten-Theater Altenburg-Gera. Als er in den Wahlkampf zog, da spielte in seinem Programm Kultur keine Rolle.

Aber mittlerweile hat er gemerkt, wie identitätsstiftend Kultur in seiner Stadt sei – und wie wichtig dieser Bereich auch für jene sein werde, die zuziehen sollen. „Wir sind insbesondere für Menschen aus dem Jenenser und Leipziger Bereich als Wohnstandort attraktiv.“ Autobahn und Bahn machen‘s möglich. Vonarb verweist darauf, dass bei einem gerade entstehenden Wohnheim ein Drittel der Voranfragen von Studierenden aus Jena stamme.

Und wie wertet Vonarb das AfD-Ergebnis in seiner Stadt? „Ich bin der festen Überzeugung, das ist zu großen Teilen Protest zur Lage der Stadt insgesamt“, etwa mit Blick auf Arbeitslosigkeit und mangelnde Ansiedlung. Er sei angetreten, dieses Gefühl des Abgehängt­seins zu überwinden.

Ein Interview mit Julian Vonarb lesen Sie unter www.tlz.de/vonarb

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