SPD fühlt sich durch Umfrage bestätigt: "Wir können die Linke überholen"

Die Thüringer SPD fühlt sich durch eine Umfrage der TLZ bestätigt. Ramelow sieht die Union am Ende. CDU-Generalsekretär Mario Voigt warnt hingegen vor Rot-Rot im Freistaat. Gnauck-Debatte drückt die CDU-Umfragewerte nach unten.

Die Thüringer SPD fühlt sich durch eine Umfrage der TLZ bestätigt. Foto: Marco Kneise

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Weimar/Erfurt. René Lindenberg fühlt sich durch die TLZ-Umfrage zur Landtagswahl in der taktischen Ausrichtung bestätigt. "Wir haben mit acht Prozentpunkten das größte nicht ausgeschöpfte Potenzial", referiert der SPD-Landesgeschäftsführer die erfreuliche Botschaft. "Das bedeutet, dass wir mit 26 Prozent noch vor der Linken zweitstärkste Kraft werden und mit Spitzenkandidatin Heike Taubert die Ministerpräsidentin stellen können." Dass es unwahrscheinlich ist, das Potenzial vollkommen auszuschöpfen, ignoriert der Wahlkampfmanager vorsorglich. Dafür bezieht er klar Stellung zu einem Brief, den unter anderem zwei Bürgerrechtlicher und Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete aus Sachsen unterzeichnet haben und in dem sie die Thüringer Sozialdemokraten vor einer Juniorpartnerschaft mit der Linkspartei warnen. "Das Schreiben hat für uns Null Relevanz", sagt Lindenberg der TLZ: Er finde es sogar "ein bisschen wirr und von Unkenntnis der Situation in Thüringen geprägt". Es bleibe dabei, dass Taubert keine Koalitionsoption ausschließe.

Ramelow: "Rot-Rot-Grün eine handlungsfähige Option"

CDU-Generalsekretär Mario Voigt zeigt dagegen großes Verständnis für die Bedenken der Bürgerrechtler. Mit ihrer lavierenden Haltung mache die SPD nur klar, dass man mit ihr die "Katze im Sack kauft". Thüringen dürfe aber nicht zu einem aus Berlin ferngesteuerten Experimentierfeld für eine rot-rote Politik werden. Die eigenen Zahlen der repräsentativen vom Erfurter Institut Insa durchgeführten TLZ-Umfrage, die die Union aktuell bei 33 Prozent sehen, hält er angesichts der Gnauck-Debatte für realistisch. "Uns war klar, dass die Werte nicht in dem Himmel wachsen." Aber jetzt sei der Blick wieder frei für wichtige Themen wie Arbeit, Bildung und Sicherheit. Dabei habe seine Partei die besseren Argumente. "Schließlich steht Thüringen top da."

Bodo Ramelow sieht das gänzlich anders. Der Linke-Spitzenkandidat landet mit 75 Prozent Bekanntheitsgrad hinter Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (86 Prozent) und vor Taubert (60 Prozent) auf dem zweiten Rang. Er sagt, die Umfrage zeige, dass die CDU abgewirtschaftet habe und "Rot-Rot-Grün eine handlungsfähige Option ist". Aber niemand solle glauben, dass man mit dem Schlafwagen in die Staatskanzlei einziehen könne. Deshalb gelte es, die verbleibende Zeit zu nutzen, um die Menschen von einem linken "reformorientierten Bündnis zu überzeugen", betont Ramelow.

Luft nach oben

FDP-Fraktionsvize Franka Hitzing, deren Partei mit drei Prozent den Einzug in den Landtag nach derzeitigen Stand verpassen würde, gesteht, mit den Umfragewerten nicht zufrieden zu sein. "Wir müssen noch zulegen", sagt sie selbstkritisch. Aber sie verweist auf den vergleichsweise hohen Bekanntheitsgrad von Spitzenkandidat Uwe Barth (55 Prozent). Mit diesem Pfund müsse man wuchern. Denn wenn es die FDP nicht mehr gebe, fehle das Regulativ, ist sie überzeugt. "Dann geraten Mittelstand und Bildungspolitik ins Hintertreffen."

Grünen-Fraktionschefin Anja Siegesmund kann mit den ermittelten sechs Prozent, die ihrer Partei den Einzug in den Landtag ermöglichen würden, leben. "Das ist ein guter Wert", sagt sie, "aber es gibt immer noch Luft nach oben." Die Grünen müssten mit ihren Kernbotschaften zu Umwelt, Essen, Energie und Bildung überzeugen. Über ihre vergleichsweise geringe Bekanntheit, die nach knapp fünfjähriger Oppositionspolitik im Landtag bei gerade mal 37 Prozent liegt, macht sich Siegesmund keine Sorgen. "Bei uns geht es in erster Linie um Inhalte."

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