Speziallager Buchenwald: „Verbrechen nicht mit neuem Unrecht sühnen“

Weimar  Mit einer Gedenkfeier und einem Gottesdienst auf dem Trauerplatz ist am Samstag der Opfer des sowjetischen Speziallagers 2 in Buchenwald gedacht worden.

Ehemalige Internierte und Angehörige legen an dem Gedenkstein für die Opfer des Speziallagers Blumen nieder. Foto: Peter Hansen

Ehemalige Internierte und Angehörige legen an dem Gedenkstein für die Opfer des Speziallagers Blumen nieder. Foto: Peter Hansen

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Mit einer Gedenkfeier und einem Gottesdienst ist am Samstag der Opfer des sowjetischen Speziallagers 2 gedacht worden. Etwa 20 Überlebende und Angehörige kehrten erneut nach Buchenwald zurück.

Hinter dem Konzentrationslager beginnt der Wald: Allein hier markieren 850 Stahlstelen die einzelnen Sammelgräber, in denen die Gebeine von sechs bis sieben Toten vermutet werden. Es war ein Zufall, der nach der Wende beim Bau einer Wasserleitung zum Auffinden der Massengräber führte. Und es war ein langer Prozess, der von einer emotionalen Debatte begleitet worden war: vom Errichten eines Holzkreuzes im Frühjahr 1990 bis hin zu der Gedenkfeier am Samstag auf dem Trauerplatz gegenüber dem seit 1997 zugänglichen Museum zur Geschichte des Speziallagers.

Zwei Geschichten an einem Ort: Maxime dabei sei es, die „nationalsozialistischen Verbrechen nicht zu relativieren und die stalinistischen Verbrechen nicht zu banalisieren“, sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge.

Man dürfe kein Verbrechen mit Unrecht sühnen, erklärte Knigge den Konsens, der zwischen Überlebenden und Gedenkstätte gefunden worden war. Letztendlich sei es um die Legitimation der Gedenkstätte gegangen. Man könne nicht einen Gedenkstein für die Opfer des NS-Verbrechens dem Frieden und der Freiheit widmen und gleichzeitig die vorhanden Unrechtsbeweise negieren.

„Wir dürfen sprechen und die anderen wollen es hören“, sagte die Vorsitzende der Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950, Heidrun Brauer. Sie war es, die sich nach der Wende als Angehörige eines Internierten outete und dann Zuspruch erfahren habe. Brauer betonte, dass vor allem junge Leute mit großem Interesse den Zeitzeugengespräche beiwohnten – ein Geschichtsunterricht, der weit über die Fakten hinausgehe. „Vor fünf Jahren kamen noch 50 ehemalige Internierte nach Buchenwald, heute sind wir 20“, meinte Brauer, die den Trauerplatz mit einer „Kathedrale im Wald“ verglich. Es sei kein einfacher Weg gewesen, diesen Ort als doppelten Gedenkort zu bewahren, erklärte der Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich. Dankbar dafür, dass etwas für die Zukunft geschaffen wurde, war der Vorsitzende des Häftlingsbeirates, Günther Rudolph, während Alexander Latotzky an jene Kinder erinnerte, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Speziallager oder Gefängnis der DDR geboren wurden.

Etwa 7100 Internierte sind zwischen 1945 und 1950 an den Folgen von Hungerkrankheiten gestorben. Die Toten ließ die Lagerleitung in unmittelbarer Nähe des Lagers in Sammelgräbern verscharren. Unter den Inhaftierten waren vorrangig lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Menschen, die als NS-Täter denunziert worden waren.

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