Thüringer Unternehmen befürchten wegen Brexit sinkende Ausfuhren

Erfurt.  Der drohende Brexit wird in Thüringen seine Spuren hinterlassen. Großbritannien ist für den Freistaat der viertwichtigste Exportmarkt.

Der deutliche Wahlsieg von Premier Boris Johnson und der damit endgültig anstehende Abschied Großbritanniens aus der EU werden sich auch auf Thüringen auswirken.

Der deutliche Wahlsieg von Premier Boris Johnson und der damit endgültig anstehende Abschied Großbritanniens aus der EU werden sich auch auf Thüringen auswirken.

Foto: Dominic Lipinski / dpa

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Der deutliche Wahlsieg von Premier Boris Johnson und der damit endgültig anstehende Abschied Großbritanniens aus der EU werden sich auch auf Thüringen auswirken. „Unsere Unternehmen befürchten sinkende Ausfuhren wegen möglicher Zölle, mehr Bürokratie und mehr Kontrollen“, sagte Europaminister Benjamin Hoff (Linke) auf Anfrage dieser Zeitung.

Bereits am 20. Juli 2017 habe das Kabinett aber vorgebaut und die Thüringer Interessen in Bezug auf die zukünftigen Beziehungen zum Vereinigten Königreich definiert und sich dabei unter anderem für eine größtmögliche Beschränkung von Handelsbarrieren, die Beibehaltung der Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und Qualifikationen ausgesprochen.

Es sei unbestritten, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Thüringen und dem Vereinigten Königreich auf eine harte Probe gestellt würden, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Dies beträfe nicht nur neue tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse, sondern auch – in der öffentlichen Diskussion bisher weniger beachtet – negative Folgen für wechselseitige Unternehmensbeteiligungen.

Viele mittelständische Betriebe wären von einem Brexit betroffen

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling sagte: Johnson stehe jetzt vor der Frage, welches Verhältnis er sich zukünftig zur EU wünscht – mit Zollunion, umfassendem Freihandelsvertrag und einer klaren Ausrichtung auf den Verbraucherschutz sowie Umweltauflagen oder einer Kampfansage an Brüssel.

Viele mittelständische Betriebe wären von einem Brexit betroffen, befürchtete CDU-Landes- und Fraktionschef Mike Mohring. Umso wichtiger sei es, schnell zu einem Freihandelsabkommen mit Großbritannien zu kommen, damit die Warenströme nicht abreißen.

Die Sprecherin des Verbandes der Wirtschaft Thüringens, Ute Zacharias, sagte, es bleibe unklar, wie die Zollabwicklung künftig ablaufe. „Das macht Exporteuren und Logistikern Sorge.“

Es sei wichtig, dass die Landesregierung bei Unternehmen, die durch den Brexit möglicherweise in die Krise geraten, finanziell helfen könne, sagte der Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, Michael Rudolph.

Großbritannien für Thüringen der viertwichtigste Exportmarkt

Für die Thüringer Wirtschaft ist Großbritannien der viertwichtigste Exportmarkt hinter den USA, Ungarn und Frankreich. Bei den Importen liegt Großbritannien hinter China an zweiter Stelle. Rund 270 Thüringer Unternehmen verkaufen ihre Produkte und Dienstleistungen dorthin, an etwa 30 Firmen sind britische Investoren beteiligt.

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