Thüringer Landtag lädt im April zum Girls' und Boys' Day

Landespolitik in Thüringen ist mehrheitlich immer noch männlich. Unter den 88 Volksvertretern sind gerade mal 34 Frauen. Natürlich kann man das als Erfolg feiern, vor allem, wenn man bedenkt, dass in der ersten Legislatur der Frauenanteil bei lediglich knapp 15 Prozent lag.

Parallel zum Girls' Day veranstaltet der Thüringer Landtag am 26. April einen Boys' Day. Archiv-Foto: Marcus Scheidel

Parallel zum Girls' Day veranstaltet der Thüringer Landtag am 26. April einen Boys' Day. Archiv-Foto: Marcus Scheidel

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Erfurt. Hinter den Kulissen des Parlamentsbetriebs gibt es aber auch eine echte Frauendomäne: die Ausschussprotokollierung. Wenn es um das akribische Erfassen des Gesprochenen von Landtags- oder Ausschusssitzungen geht, stehen 13 so genannte Tonbandredakteurinnen einem einzigen Kollegen gegenüber.

Aber auch sonst hat sich einiges getan, damit Heranwachsende später nicht nur die seit Jahrzehnten vorgezeichneten Berufe ergreifen - wenn auch aus Sicht der Grünen-Landtagsfraktionschefin Anja Siegesmund bei Weitem nicht genug. "Wir müssen endlich mit tradierten Rollenbildern brechen", fordert sie im Gespräch mit unserer Zeitung. In Thüringen halten dafür 18 Träger Angebote zur so genannten Mädchen- und Jungenarbeit vor. "Allerdings", sagt Siegesmund, "gibt es im Süden des Freistaats kaum Projekte." Was für die Bündnisgrüne unverständlich ist, zumal es nicht in erster Linie eine Frage des Geldes sei, damit Jungen nicht mehr wie selbstverständlich Automechaniker oder Ingenieure und Mädchen Friseurinnen oder Deutschlehrerinnen werden wollen.

Um mit diesen Klischees aufzuräumen, wurden in den vergangenen Jahren vor allem Schülerinnen dabei unterstützt, sich über Jobs zu informieren, die nicht dem klassischen Rollenbild entsprechen. Seit 2001 können sie deutschlandweit am Girls' Day Berufe in Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften entdecken. Doch mit diesem Fokus auf die Berufseinsteigerinnen von morgen blieben die Jungs ein stückweit auf der Strecke. Weshalb im vergangenen Jahr erstmals ein Boys' Day initiiert wurde.

Für Siegesmund ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn nicht zuletzt nach Besuchen von entsprechenden Projekten in ihrer Heimatstadt Jena, weiß die Mutter dreier Töchter, dass es vor allem pubertierenden Jungen mitunter schwer fällt, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Ihre Probleme aber "häufig hinten runterfallen", wie sie sagt. Deshalb seien Einrichtungen wie "JuMäX e. V." in Jena, die neben einer Mädchen- und einer gemischten auch gleich zwei Jungengruppen haben, besonders unterstützenswert. Der "Verein für geschlechtersensible Sozialarbeit" richtet sich an Kinder ab acht Jahre, um sie "in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, im Aufbau eigener Durchsetzungsformen zu unterstützen und sie bei der Aneignung ihrer geschlechtlichen Identität zu fördern".

Siegesmund wünscht sich in diesem Zusammenhang mehr Engagement der Landesregierung. Eine ihrer Meinung nach nötige zentrale Anlaufstelle, die diese Aktivitäten vernetzt und koordiniert, gibt es nicht. "Ein Bedarf wird gegenwärtig nicht gesehen", so Sozialministerin Heike Taubert (SPD).

Im Landtag, der seit 2002 einen Girls' Day ausrichtet, wird unterdessen in diesem Jahr das männliche Geschlecht nicht außen vor gelassen und am 26. April parallel zum Mädchentag ein Boys' Day veranstaltet.

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