Thüringer Spitzen: Politischer Cocktail

Elmar Otto über Eheversprechen.

Elmar Otto

Elmar Otto

Foto: Andreas Wetzel

Gut 40 Tage sind seit der Landtagswahl vergangen. Und eigentlich ist alles wie immer. Zwar hat der Souverän die Verhältnisse im Freistaat ordentlich durchgeschüttelt. Aber der dabei entstandene politische Cocktail will nicht so recht schmecken.

Erschwerend kommt hinzu: Nicht einmal die altbewährte rot-rot-grüne Mischung reicht mehr, um das Glas voll zu kriegen. Dabei könnte mancher einen ordentlichen Schluck (am besten sogar aus der Pulle) zurzeit gut vertragen. Je hochprozentiger und sedierender desto besser.

Aber werfen wir einen nüchternen Blick auf das, was sich in den vergangenen Tagen abgespielt hat.

Den fröhlichen Reigen eröffnete R2G höchstselbst. Am Montag traten die Spitzen von Linke, SPD und Grünen vor die Kameras und erneuerten ihr Eheversprechen.

Ja, es knirscht ein bisschen und die Liebe war schon einmal frischer. Dennoch, sie wollen es erneut miteinander versuchen. Dumm nur, dass das Trio mangels eigener Mehrheit ohne fremde Hilfe nie ein Gesetz durchs Parlament bringen wird.

Wir jedoch sind zuversichtlich, dass sich CDU und FDP, auch wenn sie sich noch zieren, bei der einen oder anderen Initiative mit dem Dreierbündnis einigen werden. Zum Wohle des Landes, versteht sich. Und dazu gehört auch die AfD. Selbst wenn zurzeit kaum jemand mit der zweitstärksten Landtagskraft zu tun haben will, kann es passieren, dass beispielsweise ein Antrag zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs auf dem Land oder zum Ausbau der Digitalisierung auch von der AfD mitgetragen wird. Seine Freunde, werden dann die Koalitionäre sagen, kann man sich eben nicht immer aussuchen.

Apropos, aus den Parteichefs Susanne Hennig-Wellsow (Linke), Mike Mohring (CDU) und Thomas Kemmerich (FDP) werden wohl keine Freunde mehr. Die beiden Konservativen weigern sich standhaft, mit der Linken zu reden. Zumindest in ihrer Eigenschaft als Parteichefs. Als Fraktionsvorsitzende, das sind alle drei bekanntlich auch, wird schon über das eine oder andere Thema geplauscht. Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Auffällig auch: Obwohl Jamaika mittlerweile in Thüringen wieder vor allem als karibischer Inselstaat gilt und nicht mehr als Koalitionsoption, buhlen Unionschristen und Liberale weiter munter um die Gunst von SPD und Grünen. Nur während beim letzten Treffen mit den Sozialdemokraten die Stimmung im Keller war, ist es um die schwarz-gelb-grüne Chemie offenbar bestens bestellt. Das beweist ein Gruppenbild mit Dame, das eine breit lächelnde Umweltministerin Anja Siegesmund zeigt, flankiert von den nicht minder fröhlichen Herren Mohring und Kemmerich.

Anderen Verhandlungsteilnehmern ist das Lachen längst vergangen. Ihnen steht das Gewürge um Duldung, Tolerierung oder was auch immer bis Oberkante Unterlippe. Und sie würden lieber jetzt als gleich das Weite suchen.

Dass Innenminister Georg Maier (SPD) Anfang kommender Woche nach Washington aufbricht, um für ein paar Tage an einem Nato-Forum teilzunehmen, ist allerdings wirklich reiner Zufall.

Landeskorrespondent Elmar Otto erreichen Sie unter e.otto@tlz.de

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