TLZ-Logistikforum: Hoyer kritisiert Erfurter Gütertransport

Logistikboom in Erfurt - und kein Ende in Sicht? Beim TLZ-Zukunftsforum am 2. Juli geht es um das Thema Logistik. Die Wirtschafts- und Umweltbeigeordnete Kathrin Hoyer sieht Probleme bei der Flächenversiegelung und dem Gütertransport.

Die Wirtschafts- und Umweltbeigeordnete Kathrin Hoyer sieht Probleme bei der Flächenversiegelung in Erfurt und dem Gütertransport. Foto: Marco Schmidt

Die Wirtschafts- und Umweltbeigeordnete Kathrin Hoyer sieht Probleme bei der Flächenversiegelung in Erfurt und dem Gütertransport. Foto: Marco Schmidt

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Erfurt. Die zentrale Lage in Deutschland und Europa werde wohl weiterhin ein guter Grund für Investitionen der Branche in der Landeshauptstadt sein. Davon geht die Wirtschafts- und Umweltbeigeordnete Kathrin Hoyer aus. Gleichwohl: Weiteren Anfragen der Branche stünde sie zwar freundlich, doch auch gespalten gegenüber, sagte sie der TLZ. Für sie verbinden sich mit der Logistikbranche zwei Probleme: eine große Flächenversiegelung, die nicht zuletzt angesichts jüngster Starkregenfälle kritisch zu sehen sei, und der Gütertransport, zumeist auf der Straße, der Abgase für die Erfurter Luft und die Atmosphäre bedeute.

"Diese Probleme gilt es den Vorteilen gegenüber zu stellen", sagt Kathrin Hoyer. Positiv sei die hohe Beschäftigungsquote von niedrig Qualifizierten und die Möglichkeit, Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger wieder in Lohn und Brot zu bringen.

Hinzu komme aber auch die generelle Befürchtung, dass das Geschäftsmodell der Logistikunternehmen wie Redcoon oder Zalando nicht auf Dauer lukrativ sein wird: "Wenn der Treibstoff und damit die Transporte hin und her zwischen Kunden und Handel immer teurer werden, rechnet sich das Geschäft möglicherweise nicht mehr", sagt Hoyer. Nur weil die Transporte derzeit noch günstig seien, könnten die Unternehmen niedrige Preise anbieten. Und auch eine Rücklaufquote von teils bis zu 70 Prozent ließe sich derzeit noch gewinnbringend tragen. Aber in Zukunft?

Schuhe lieber in der Stadt kaufen

Sie kaufe sich nach wie vor lieber ihre Schuhe beim Händler in der Innenstadt, verrät die Wirtschaftsbeigeordnete. Auch wenn es sich bei Zalando für Erfurter ja quasi um einen "Nahversorger" handele. Der umständliche Versand hin und her entfalle so und es könnten gleich Schuhe in der richtigen Größe mit nach Hause genommen werden - ein Vorzug, den vielleicht künftig wieder mehr Menschen zu schätzen wüssten, so Hoyer.

Was das Lohngefüge bei den Logistikfirmen angeht, wolle sie nicht allein diese Branche kritisieren: "Da gibt es weitere Beispiele - ich denke da beispielsweise an die Friseure. Von denen sind übrigens viele zu Zalando gewechselt, weil sie dort mehr verdienen können", sagt Hoyer, die auf einen Stundenlohn von 8.50 Euro plus Zuschläge beim Online-Versandhändler verweist. "Das Thema Mindestlohn ist für mich ein gesamtgesellschaftliches Problem", sagt sie - und kritikwürdig daher nicht allein der Logistiker.

Was aber, wenn nun ein Investor der Logistikbranche an ihre Tür klopfe, bereit, sich in Erfurt anzusiedeln? Mittlerweile wurden Stimmen auch im Stadtrat laut, nun müsse es aber mal genug sein mit deren Ansiedlung. "Ich würde ihn freundlich empfangen", sagt die Bündnis-Grüne, die sich selbst dem Realo-Flügel der Partei zuordnet. "Aber ich würde auch die Probleme Mindestlohn und erforderliche Ausgleichsmaßnahmen für die Flächenversiegelung ansprechen."

So könne den Unternehmen nahegelegt werden, statt einer üblichen Versandhalle eine mit Gründach in die Landschaft zu stellen. "Vielleicht mit Photovoltaik auf dem Dach", sagt Hoyer. "Ein bisschen mehr als ein Feigenblatt" sei dies, "aber auch ein Thema, das gegenüber bisherigen Investoren so nicht angesprochen wurde." Die Landeshauptstadt sei eben auch in der Pflicht, ihren Bewohnern Arbeitsplätze bieten zu können. Dennoch bleibe es für sie "ein großer Spagat: Versieglung versus Arbeitsplätze", sagt die Wirtschafts- und Umweltbeigeordnete.

Beim TLZ-Zukunftsforum am Dienstag, 2. Juli, 19.30 Uhr, im Mercure Hotel in der Erfurter Altstadt, Meienbergstraße 26/27, ist Logistik das Thema. Es diskutieren mit: Wirtschaftsbeigeordnete Kathrin Hoyer, Joachim Werner vom Thüringer Logistik-Netzwerk, Uwe Ratajczak, Geschäftsführer bei KNV, sowie Beatrice Ströhl, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Erfurt. Anmeldungen unter zukunftsforum@­wir-fuer-erfurt.de sind erbeten.

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