Unter uns gesagt: Mäßigung tut not

Gerlinde Sommer über anständige politische Auseinandersetzungen.

Gerlinde Sommer

Gerlinde Sommer

Foto: Andreas Wetzel

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Liebe Leserinnen,
liebe Leser!

Wenn wir dieser Tage schauen, wie Menschen ihren politischen Frust ausleben, dann kann einem übel werden. Nur: Ekel nutzt nichts. Landauf, landab sind Leute unterwegs, die jetzt einem Brandmarkungswerk nachgehen. Und das trifft nicht nur Politikerbüros von ganz links über die Mitte bis ganz rechts. Es kann insofern nicht behauptet werden, dass es um „alle gegen einen“ ginge. Aber auch das wäre keinen Deut besser.

Blöde Sprüche an Häuser sprühen kann jeder, jedenfalls jeder, der sich dafür nicht zu doof ist. Politische Auseinandersetzung geht anders. Und es gibt keinerlei Berechtigung für solche Attacken.

Dass manche Politiker heutzutage nicht mehr ohne Polizeischutz auskommen, ist schlimm. Wüst wird es, wenn die Familie in eine Art Sippenhaft genommen wird. Frau Kemmerich soll auf der Straße angespuckt worden sein. Da wird einem gleich übel, zumal es sich bei all den Tätern ja nicht nur um den Kreis der üblichen Verdächtigen handelt. Die Verrohung hat mittlerweile weit in die bürgerlichen Kreise hinein Einzug gehalten. Wie manche Leute über politische Vorgänge und Personen reden – und wie sie dabei den letzten Anstand vermissen lassen: All das muss nachdenklich stimmen. Ist die Folie der Zivilisation wirklich so dünn? Werden aus wüsten Worten noch wüstere Taten?

Ja, Mäßigung tut not. Aber diese Mäßigung muss vorgelebt werden. Ein Teil auch der erwachsenen Wüteriche fühlt sich geradezu ermuntert durch das böse Reden, was aus dem politischen Raum in die Öffentlichkeit schwappt. Gut also, dass die Landtagspräsidentin jüngst gesagt hat: „Bei all den vielen Emotionen dürfen wir nicht den Anstand und den Respekt voreinander verlieren.“ Eine Selbstverständlichkeit eigentlich. Ich möchte Ihnen ersparen, was manche Leute zu so einem Aufruf ausspucken. Es ist unsäglich.

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