Volker Emde: „Es gibt keine Vollkasko fürs Leben“

Erfurt/Zeulenroda.  75 Jahre – 75 Menschen: Volker Emde ist – mit einer kurzen Unterbrechung – seit 1990 Thüringer Landtagsabgeordneter

Jeder Einzelne in der Politik muss Vorbild sein und der moralischen Verantwortung gerecht werden. Volker Emde CDU, seit 1990 mit einer kurzen Unterbrechung im Landtag.

Jeder Einzelne in der Politik muss Vorbild sein und der moralischen Verantwortung gerecht werden. Volker Emde CDU, seit 1990 mit einer kurzen Unterbrechung im Landtag.

Foto: CDU-Fraktion im Thüringer Landtag

Sein erstes Flugblatt im Herbst 1990 hat den Charme des Selbstgemachten: das Schwarz-Weiß-Foto wirkt wie ein Scherenschnitt und zeigt einen jungen Mann mit Ringelshirt: Volker Emde, evangelisch, junger Vater, Lehrer für Sport und Geschichte seit 1989, Fraktionsvorsitzender im Kreistag Pößneck. „CDU. Aus Liebe zu Thüringen“ steht handgeschrieben auf der Vorderseite. Hinten stehen maschinengeschriebene Programmauszüge. Nur das Logo „CDU. Aufwärts mit Deutschland.“ scheint reinkopiert. Das kam wohl von westlichen Unterstützern, sagt Emde im Rückblick. Für ihn ist die Landtagswahl im Oktober 1990 eine Weichenstellung.

Als 26-Jähriger gehört Emde zu den Jungen in der großen CDU-Fraktion. Zu DDR-Zeiten ist er aus pragmatischen Gründen eingetreten, um nicht von der SED umworben zu werden. Als die friedliche Revolution kommt, übernimmt er zunächst kommunalpolitisch Verantwortung: „Wir wollten politisch etwas verändern.“ Und: „Für mich ist damals sehr früh klar, dass ich die deutsche Einheit möchte“, sagt er.

Emde, Jahrgang 1964, ist nach der Neugründung der Länder beim Aufbau Thüringens im Parlament dabei. Erst kurze Zeit unter Josef Duchac, nach dem parteiintern erzwungenen Wechsel lange Jahre unter Bernhard Vogel. 1994 ist für Emde zunächst Schluss. Ein anderer Kandidat wird ihm vorgezogen. Emde geht erst „zur Aushilfe“ ins Kultusministerium und dann „auf eigenen Wunsch“ in den Schuldienst zurück – entscheidet sich aber 1997, das Angebot als Nachrücker anzunehmen und 1999 erneut zu kandidieren. Das war mit dem Wechsel des Wahlkreises verbunden: Zeulenroda-Triebes ist mittlerweile für Emde Heimat geworden. Zu den Zäsuren gehört das Jahr 2009 mit dem Abgang von Dieter Althaus. „Das war ein kleines Erdbeben“, sagt Emde. Schwarz-Rot hat der Bildungspolitiker als schwierig in Erinnerung. Es liegt damals wohl am SPD-Minister…

Als Thomas L. Kemmerich im Februar die Ministerpräsidentenwahl von AfD-Gnaden annimmt, denkt Emde: „Das kann nicht gut gehen.“ Zu Stefan Möller (AfD), der sich über den Trick freut, sagt er: „Ich habe ihn als einen kennengelernt, mit dem man nicht vertrauensvoll zusammenarbeiten kann.“

Emde ist Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Die Arbeit im Landtag „ist ein Vollzeitjob“, sagt Emde. Er will etwas erreichen, auch für seine Region, in der er den Kontakt zu den Menschen hält. Er spricht von verlorener Macht und Gestaltungsmöglichkeiten. „Wir hatten mal die absolute Mehrheit im Landtag. Wenn man jetzt in den Plenarsaal schaut…“ Emde sagt auch: „Es war offensichtlich, dass es mit Mike Mohring so nicht weitergeht. Das musste geklärt werden“, sagt er – und spricht über die völlig neue Situation, die sich für die CDU ergeben hat. Er habe sich nach reiflicher Überlegung dazu entscheiden, noch einmal für den Landtag anzutreten. „Ich kann meinen Beitrag leisten, dass wir wieder besser werden in der CDU und dass wir im Parlament in Gänze einen gepflegteren Umgang miteinander haben.“ Das bezieht er auf das Fachliche, aber auch auf auf die Teamarbeit. Den Termin 25. April 2021 sieht er „tiefenentspannt.“ Emde mag nicht, wenn „extrem zugespitzt“ wird, „verbal abrüsten“ könne hilfreich sein. Ihm ist es wichtig, die Ängste der Bürger ernst zu nehmen, ihnen Mut zu machen. Der Thüringer erinnert an die Aufbruchstimmung vor 30 Jahren. Heute wüssten ganz viele, warum etwas nicht geht… „Es gibt keine Vollkasko fürs Leben.“