Weimar: BgR-Protest gegen Neonazi-Demo

Ein Gedenktag und sein Missbrauch: Ebenso unprätentiös wie ehrlich wird am 9. Februar Jahr für Jahr in Weimar jenen 80 Mädchen und Jungen eines Kindergartens gedacht, die bei einem Bombenangriff der Alliierten ihr Leben verloren.

Jedes Jahr am 9. Februar wird an die 80 Mädchen und Jungen in einem Weimarer Kindergarten erinnert, die bei einem Bombenangriff der Alliierten starben. Foto: Fabian Klaus

Jedes Jahr am 9. Februar wird an die 80 Mädchen und Jungen in einem Weimarer Kindergarten erinnert, die bei einem Bombenangriff der Alliierten starben. Foto: Fabian Klaus

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Weimar. Keiner der Akteure dort würde den Zivilisationsbruch Auschwitz und die kollektive Barbarei der Nationalsozialisten negieren. Allein schon das infame Wort "Bombenholocaust", mit dem Neonazis aus dem Weimarer Land in einem Video für ihren Trauermarsch am morgigen Samstag werben, zeigt, wie Rechtsradikale versuchen, die Geschichte zu relativieren.

Weimars Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) will das nicht tatenlos hinnehmen. Es organisiert am Samstag seinen Protest gegen die "Aktionsgruppe Weimarer Land", etwa 15 Personen um den Neonazi Michael F., der einmal mehr als Anmelder agiert. Dabei werde das BgR neben dem Baudertplatz am Bahnhof auch den Buchenwaldplatz belegen. "Wir wollten einfach verhindern, dass Neonazis in Sichtweite des Platzes vorbeimarschieren können", sagte Uwe Adler vom BgR-Sprecherrat über einen Erinnersungsort für die Opfer des KZ Buchenwalds.

Rechtsradikale dürfen nicht über die Carl-August-Allee

Für den rechten Trauermarsch seien etwa 150 Neonazis angemeldet worden. Dem ursprünglichen Ansinnen, vom Bahnhof über die Carl-August-Allee zum Goetheplatz zu marschieren, um dann über die Schwanseestraße und den Stadtring zurück zum Bahnhof zu gelangen, verweigerte sich die Stadtverwaltung als zuständige Versammlungsbehörde.

Nichtsdestotrotz könnten die Rechtsradikalen durch Bereiche der nördlichen Innenstadt marschieren, wobei es Taktik der Polizei sein wird, beide Parteien- Demonstranten und Gegendemonstranten - strikt voneinander zu trennen. Michael F. als Anmelder wurde als Versammlungsleiter übrigens abgelehnt. Hier geht die Stadt davon aus, dass F. im Sinne des Versammlungsrechts nicht geeignet sei.

Auch wenn zum Beispiel die Stadtbusse eingeschränkt fahren, soll der Verkehr grundsätzlich fließen: Kurzzeitige Sperrungen von Straßen sind wahrscheinlich, abriegeln will man das Bahnhofsviertel jedoch nicht, teilte das Rathaus gestern mit. Allerdings müsste die Zahl der Autoparkplätze eingeschränkt werden, allein schon wegen der Polizei und ihrer Einsatzfahrzeuge.

"CDU und das Weimarwerk haben gleich abgesagt"

Das BgR erklärte gestern selbstkritisch, nicht ganz so viele Menschen mobilisieren zu können. Das hänge auch mit Dresden zusammen, wo die Thüringer Bündnisse, Initiativen und Netzwerke sich solidarisch erklärten mit dem Bündnis "Dresden nazifrei" und am 13. Februar vor Ort sein werden.

Bislang würden die Bands "Afrobeat" und "Tuba Libre" den Protest unterstützen, als Redner haben sich die bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende Katharina Spiel sowie die Landtagsabgeordneten Martina Renner (Linke) und Thomas Hartung (SPD) angekündigt. "Wir haben alle Fraktionen angefragt, nur die CDU und das Weimarwerk haben gleich abgesagt", erklärte Gisela Bock.

Überhaupt: Enttäuscht äußerten sich Uwe Adler und Torsten Zern über den Weimarer Stadtrat. Er habe es versäumt, ein deutliches Signal gegen rechts auszusenden. Früher sei es üblich gewesen, dass sich der Stadtrat mit einer öffentlichen Sitzung an dem Protest beteiligt habe.

Samstag ab 9.30 Uhr am Hauptbahnhof und am Buchenwaldplatz; Bustickets für die Fahrt nach Dresden am 13. Februar können bei der SPD am Goetheplatz und bei den Bündnisgrünen am Burgplatz erworben werden; der Bus fährt um 12 Uhr am Hauptbahnhof ab und hält kurz an der katholischen Kirche

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