Weimar: Plattform für Islamophobie - Salve TV distanziert sich

Als scheinbar harmlose Esoterik-Sendung verpackt, überschreitet das Format "Lebens-Forum-Wohlstand" die Grenzen zum Rechtspopulismus. Die von Salve TV produzierte Reihe muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Akteuren von zweifelhaftem Ruf eine Plattform zu geben. Weimars lokaler Fernsehsender distanzierte sich in der Zwischenzeit.

Was mit scheinbar harmlosen Vergleichen beginnt, entpuppt sich schnell als Rechtspopulismus: Salve TV beendete nun die Zusammenarbeit mit Udo Ulfkotte. Foto: ddp/dapd

Was mit scheinbar harmlosen Vergleichen beginnt, entpuppt sich schnell als Rechtspopulismus: Salve TV beendete nun die Zusammenarbeit mit Udo Ulfkotte. Foto: ddp/dapd

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Weimar. Dass in der Sendung vom 6. März Udo Ulfkotte bedauert, dass der Heimatkundeunterricht abgeschafft wurde, mag der Zuschauer noch verstehen. Wenn er jedoch wenig später behauptet, "wir sollen alle multikulturell werden, wir sollen wissen, wie in der Türkei der Knoblauch angebaut wird", ist man zunehmend irritiert.

Ulfkotte ist so etwas wie ein "hauptamtlicher Islamhasser". Auch wenn er sich von Rechtsextremisten distanziert, greifen diese seine Thesen dankbar auf. Dass der Journalist zudem als Autor für den Kopp-Verlag ("Kein Schwarz - kein Rot - kein Gold. Armut für alle im Lustigen Migrantenstadl") in Erscheinung tritt, lässt weitere Zweifel an der Seriosität zu.

Kopp-Verlag ist nicht unumstritten

Der Verlag mit Sitz in Rottenburg am Neckar ist nicht unumstritten, da ihm eine Nähe zu rechtem und esoterischem Gedankengut, das in der rechten Szene weit verbreitet ist, nachgesagt wird.

Was ist das für ein Format, das Salve seinen Zuschauern anbietet? Stellenweise wirkt "Lebens-Forum-Wohlstand" abgesehen von den kruden Inhalten wie eine Werbesendung, ohne dass Salve redaktionelle Inhalte und Werbung sauber voneinander trennt. Auch hier bietet die Sendung vom 6. Märze ein gutes Beispiel.

So empfindet es Ulfkotte als einen Skandal, dass die Bundesregierung den Menschen angesichts eines schwächelnden Euros nicht dazu rät, ihr Geld in Gold und Edelmetalle anzulegen. Moderator der Sendung ist Herbert H. Jungwirth, zufällig einer von zwei Geschäftsführenden Gesellschaftern der Thüringer Edelmetallkasse. Das Unternehmen mit Sitz in Erfurt verkauft Münzen wie den Wikinger-Taler und angeblich historische Originalmünzen, unter anderem aus dem "Dritten Reich".

Keine weitere Zusammenarbeit mehr

Gleichwohl man an dem Programm festhalte, habe man die Sendung vom 6. März von der Homepage des Senders genommen, sagte Salve-Geschäftsführerin Judith Noll. Sie, die Redaktion, aber auch der Programmbeirat hätten nicht gewusst, wie umstritten Ulfkotte "und wie schräg der Journalist unterwegs sei".

Eine weitere Zusammenarbeit mit ihm werde es nicht geben. "Wir setzen uns gegen rechts ein und kümmern uns seit Jahren um Buchenwald. Das passt nicht zueinander." Das Format bezeichnete sie als eine Infosendung der Thüringer Edelmetallkasse. Geld wiederum werde nicht bezahlt. "Wir bekommen keine Werbeeinnahmen", erklärte Noll auch mit Blick auf die übliche Trennung von redaktionellen Inhalten und Anzeigen. Nach dem Hinweis einer Zuschauerin habe sie den Kontakt zur Landesmedienanstalt gesucht. Auch dort teile man die Meinung des Senders, die Reihe auslaufen zu lassen und nicht mit einem Paukenschlag zu beenden.

Wegen Missbrauchs von Titeln mit Justiz in Konflikt

Erfinder der Sendung sei Kurt Tepperwein, der 1932 in Lobenstein geboren wurde. "Ich kenne ihn seit Jahren", sagte Noll. Tepperwein arbeitet als freier Lebensberater und beschäftigt sich hauptsächlich mit esoterischen Themen. Wegen Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen geriet er 2005 mit der Justiz in Konflikt.

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