Weimarer Ausländerbeirat wehrt sich gegen Hetzvorwurf

Weimar  Ayman Qasarwa verwahrt sich gegen Vorwürfe antisemitischer Hetze und bittet um Entschuldigung für einen Facebook-Like.

Ayman Qasarwa Foto: privat

Ayman Qasarwa Foto: privat

Foto: zgt

In einem Offenen Brief hat der Vorsitzende des Weimarer Ausländerbeirats Vorwürfe bestritten, wonach er sich als Gast einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen des Achava-Festivals in Erfurt stattfand, antisemitischer Hetze schuldig gemacht habe.

Ayman Qasarwa, gebürtiger Palästinenser mit engen familiären Bindungen in den Gazastreifen, war sowohl von der in Weimar ansässigen evangelischen Kirchenzeitung „Glaube + Heimat“ als auch von der „Jüdischen Rundschau“ antisemitische und antiisraelische Hetze vorgeworfen worden (TLZ berichtete). Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf hatte um Stellungnahme zu allen fraglichen Äußerungen gebeten. Gestern nun veröffentlichte das Rathaus Qasarwas Reaktion. „Das angebliche Zitat, die jüdische Besiedelung Palästinas wäre meiner Ansicht nach eine ,Fantasievorstellung der Thora‘, entspricht nicht der Wahrheit“, teilt Ayman Qasarwa mit.

Die „Jüdische Rundschau“ komme zu der „völlig absurden Schlussfolgerung, wonach der Vorsitzende des Weimarer Ausländerbeirats auf einer öffentlichen Veranstaltung gefordert habe „Juden raus aus dem Nahen Osten“. „Gegen diese Interpretation meiner Äußerungen verwahre ich mich aufs Schärfste!“

Qasarwa verweist darauf, an besagter Debatte als Privatperson teilgenommen zu haben, nicht als Vorsitzender des Weimarer Ausländerbeirats. „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, im Nahost-Konflikt parteiisch zu sein und mich für die Interessen der Palästinenser stark zu machen. Diese Haltung vertrete ich stets als Ayman Qasarwa und nicht als Vorsitzender des Ausländerbeirats.“

Nur im Jahr 2012 nach einem israelische Angriff mit Todesopfern „habe ich einen Hasskommentar gegen Juden auf Facebook geliked, der in Verbindung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus stand. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Es war ein schwerwiegender Fehler. Ich bin mir bewusst, dass ich damit nicht nur einige meiner jüdischen Freunde schwer enttäuscht habe“, heißt es in dem Offenen Brief weiter. Zu denen gehörten auch jüdische Mitglieder des Ausländerbeirats. Qasarwa betont, mit ihnen eng und freundschaftlich verbunden zu sein, ohne dass die religiöse Zugehörigkeit eine Rolle spiele.

Für die Weimarer Stadtspitze ist der Fall mit diesem Offenen Brief erledigt. „Wir sind von der Seriosität Ayman Qasarwas überzeugt“, sagte Stadtsprecher Ralf Finke gestern. Das Rathaus entspricht damit seiner Bitte um Entschuldigung: „Wir sehen kein Problem darin, Qasarwa weiterhin das Ehrenamt im Ausländerbeirat bekleiden zu lassen.“